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#wirkoennenrichtiglokal : Hier lockt die süße Verführung

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ob Hohlkörper, Pralinen oder Tafeln – in der Schokoladerie de Prie werden mit erlesenen Rohstoffen kleine Kunstwerke hergestellt

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erstellt am 19.Mai.2016 | 12:00 Uhr

„Gute Schokolade hat eine Seele.“ Ullrich Deprie betrachtet die beiden Schokoladenvariationen auf dem Tresen vor ihm. Vorsichtig entfernt er die Schutzfolie, schneidet ein Stück ab, verkostet erst die dunkle Variante, dann die mit Vollmilch. „Die erste könnte im Geschmack noch ein wenig kräftiger sein, bei der zweiten Schokolade habe ich Karamell verarbeitet. Das könnte funktionieren.“ Der Inhaber der Schokoladerie de Prie im Rostocker Stadthafen verbringt jeden zweiten Tag in seiner „Ideenschmiede“, denn für ihn ist Schokolade mehr als nur ein Produkt. Für ihn ist sie Faszination – und das nicht nur, weil sie süß ist, die Sinne anregt und für die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin sorgt. Schokolade nehme immer ein bisschen Schärfe aus einer Auseinandersetzung und wirke zudem wie ein Aufputschmittel, denn in 100 Gramm Bitterschokolade stecke die Koffeinmenge eines halben Espresso.

„Die Vielfältigkeit von Schokolade ist nur vergleichbar mit einem Hühnerei. Sie kann für fast alles genutzt und mit unzähligen Aromen kombiniert werden“, erklärt Deprie. „Das Wissen über Schokolade erschöpft sich leider zumeist im Supermarkt. Genau dort, wo eine Tafel für 69 Cent zu haben ist“, bedauert der Chocolatier aus Passion.


Schokolade schmeckt nicht immer gleich


„Schokolade ist ein Lebensmittel, das aus etwas gewachsen ist, nämlich aus der Kakaopflanze. Umso weniger der Kakaogeschmack verfälscht wird, umso mehr bleibt von dem Ursprungsprodukt enthalten“, erklärt Deprie, dessen Grundmischungen für seine Schokolade in Frankreich direkt aus der Bohne gewonnen werden. „Das Aroma der Bohnen schmeckt jedes Jahr anders und ist abhängig von der Natur, beispielsweise von der Sonneneinstrahlung.“ Doch das sei kein Problem: „Bei mir muss nicht jede Schokolade gleich schmecken.“

Neben 38 Sorten Tafelschokolade bietet der Chocolatier auch 80 verschiedene Geschmacksrichtungen von Trüffeln und Pralinen an. „Eine Trüffelmasse besteht aus Butter, Sahne und Schokolade. Pralinen werden von außen nach innen geformt, Trüffel von innen nach außen“, beschreibt Deprie. Eine gute Praline halte nicht länger als drei Monate. Normal seien vier bis sechs Wochen. „Im Einzelhandel gibt es Pralinen mit einer Haltbarkeit von einem Jahr“, weiß der Experte. Möglich sei dies nur durch Konservierungsstoffe, auf die er gänzlich verzichte.

Ullrich Deprie probiert gerne mal etwas Neues aus. Jeder, der zu ihm ins Unternehmen kommt, müsse Produktideen mitbringen. „Wichtig ist, dass man weiß, welche Geschmackskompositionen zusammenpassen. Wer Erdbeeren und Himbeeren in eine Schokolade packt und beides herausschmecken möchte, sollte etwas Anis dazugeben“, rät er. Ob eine Geschmackskomposition beim Publikum ankomme, wisse man nie. Was immer ginge, seien Produkte mit Eierlikör, Marzipan und Nougat sowie Hohlkörper wie Weihnachtsmänner und Osterhasen zu den entsprechenden Feiertagen. „Wir verkaufen zu Ostern auch immer ein paar Weihnachtsmänner und umgekehrt. Die Leute machen sich beim Verschenken einen Spaß daraus.“

Ullrich Deprie isst täglich Schokolade. Er schmeckt sie, wie er sagt, lässt sie genüsslich im Mund zergehen. Der Geschmack wirke nach, verfärbe sich, beispielsweise durch einen Schluck Wein.


Sechs Geschäfte und noch große Pläne


55 Prozent aller Back- und Süßwaren seien mit Schokolade überzogen. Diese Tatsache und die Beobachtung, dass in dem Café seiner Frau Schokolade nachgefragt wurde, verleiteten Ullrich Deprie, 2005 die Schokoladerie zu eröffnen. „Anfangs wurde ich belächelt, von den Banken, von der Stadt, von der Wiro als Vermieter der Hafenterrassen“, erinnert sich der Firmenchef. „Drei Monate hat man uns gegeben.“

Acht Jahre später wurde Deprie zum Unternehmer des Jahres ernannt. Mittlerweile hat er auch Geschäfte in Warnemünde, Stralsund, Schwerin, Güstrow und Kühlungsborn. Produziert wird in Schmarl, wo ein weiteres Café aufmachen soll.

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