#wirkoennenrichtig heimat : Heiligendamm kommt ans Netz

Das hölzerne Gebäude in Heiligendamm im Jahr 1928. Es wird sechs Jahre später an derselben Stelle durch einen Massivbau ersetzt.
Foto:
1 von 2
Das hölzerne Gebäude in Heiligendamm im Jahr 1928. Es wird sechs Jahre später an derselben Stelle durch einen Massivbau ersetzt.

Weiße Stadt am Meer bekommt eine Kleinbahnanbindung. Sommerreiseverkehr nach sechswöchiger Bauzeit 1886 über neue Zugverbindung.

svz.de von
10. April 2017, 15:00 Uhr

Nachdem am 27. Juli 1883 der Eisenbahnabschnitt Rostock-Bad Doberan in Betrieb genommen wurde, entstand der Wunsch, den Badeort Heiligendamm an das Netz anzuschließen. Man wollte zunächst eine Pferdebahn dorthin fahren lassen.

Der Eisenbahnbauunternehmer Friedrich Lenz aus Stettin machte ein Projekt einer Dampfeisenbahn für die 6,6 Kilometer von Bad Doberan für 240 000 Mark fertig. Es war für eine Kleinbahn gedacht mit einer Spurbreite von 900 Millimetern. Diese Spurbreite ist bis heute einmalig in Deutschland.

Am 6. Mai 1886 wurde das Projekt bestätigt. Die Bauarbeiten begannen zügig. Vom 25. Mai bis zum 5. Juli 1886 wurde gearbeitet. Der Sommerreiseverkehr sollte nach sechswöchiger Bauzeit über die neue Zugverbindung geführt werden. Zunächst verkehrten sechs Zugpaare auf der Strecke.

In Heiligendamm musste an der Chaussee eine Schneise in den Wald geschlagen werden. Das Gleis endete direkt an der Chaussee. Dort gab es einen Bahnsteig, eine hölzerne Wartehalle, die offen war, und eine Wellblechbude für Bahnbedienstete. Die Bahn war recht rentabel und wurde am 1. Juli 1890 verstaatlicht. Der Bahnhof befand sich in einem sehr primitiven Zustand. Dennoch nahm der Reiseverkehr immer mehr zu.

Also wurde ein neues Projekt in Angriff genommen: Die Strecke sollte bis nach Arendsee und Brunshaupten verlängert werden. 1905 wurde dieses Vorhaben bestätigt, 1909 begannen die Bauarbeiten. 320 000 Mark wurden dafür veranschlagt. Der Bahnhof Heiligendamm musste völlig umgebaut werden. Zwar blieb das alte Wartehäuschen bis 1910 in Betrieb, neu hinzu kamen aber drei Gleise – 1 und 2 für den Personenverkehr, Gleis 3 als Ladegleis für den Güterverkehr.

Bahnsteig 1 war der so genannte Hausbahnsteig, also derjenige, der sich direkt am Bahnhofsgebäude befand. Ein weißer Zaun diente hier als Bahnsteigsperre. Dichter durften die Menschen nicht an den Zug heran, es sei denn, sie hatten ein Ticket. Wer jemanden direkt vom Zug abholen wollte, musste dafür bezahlen, auf den Bahnsteig gehen zu können. Nach 1950 wurde die Sperre abgerissen. Die Wartehalle des alten Bahnsteigs wurde schließlich demontiert und in etwas vergrößerter Form wieder aufgebaut. Neben der Wartehalle gab es einen Dienstraum und für „etwas bessere Herrschaften“ einen zusätzlichen Warteraum. Für die Gepäckaufbewahrung wurde ein gesonderter Raum geschaffen. Zeitgleich gewann auch der Güterverkehr immer mehr an Bedeutung. 1920 wurden alle Arbeiten beendet. Leider musste man feststellen, dass die Empfangsgebäude in Arendsee und Brunshaupten in der Gestaltung und Nutzung bedeutend besser waren als das in Heiligendamm. In den 20er- und auch 30er-Jahren wurde der Unmut über die Zustände immer lauter. Der Eigentümer, die Deutsche Bahn, musste handeln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen