Rostock : Halle 207 in Gefahr?

Fesche Madln, flotte Buam und volle Krüge wie hier vor dem Oktoberfest könnten bald der Vergangenheit angehören in Rostocks Halle 207.
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Fesche Madln, flotte Buam und volle Krüge wie hier vor dem Oktoberfest könnten bald der Vergangenheit angehören in Rostocks Halle 207.

Näherrückende Wohnungen, zu viel Lärm und fehlender Brandschutz: Kulturstätte muss um Genehmigungen bangen #wirkoennenrichtig

svz.de von
03. Mai 2017, 05:00 Uhr

Wenn die Bauprojekte auf der ehemaligen Neptun-Werft weiter voranschreiten, könnte das das Aus für die Halle 207 als Kulturstätte bedeuten.

„Je mehr Wohnbebauung an die Halle rückt, desto weniger kann sie genutzt werden“, sagt Marion Heimhardt, Abteilungsleiterin beim Bauamt. Hintergrund ist der Lärmschutz für die Anwohner. Bisher ist noch relativ viel möglich. Die Halle, deren Eigner der Verein Tradition Ostseeschifffahrt ist, liegt in einem Mischgebiet. Für dieses sind die Lärmemissionsvorgaben weicher als für ein reines Wohngebiet. „Wir hatten auch noch nie Beschwerden“, sagt Heimhardt. Und es habe durchaus schon Lärmüberschreitungen gegeben – etwa beim Oktoberfest. Das Bauamt stellt regelmäßig für die Halle befristete Genehmigungen für Veranstaltungen aus – für das Oktoberfest, die Mecklenburger Festspiele und neuerdings anvisiert wieder für die Sommerbespielung des Volkstheaters.

Das will unter Intendant Joachim Kümmritz und Ralph Reichel dort vom 10. Juni bis 19. September 17 Veranstaltungen organisieren, die bis maximal 22 Uhr dauern. Erst danach wird es problematischer für die Genehmigung. Der Abreiseverkehr wird bis 23 Uhr kalkuliert und könnte über den Lärmvorgaben liegen. „Das ist aber als zumutbar eingestuft“, sagt Heimhardt. Das Theater muss 150 Stellplätze in der Neptunallee vorhalten, entsprechend der Maximalzuschauerzahl von 747. Der Ortsbeirat der Kröpeliner-Tor-Vorstadt stimmte der Genehmigung zu.

Weniger offen wird der wohl sein, wie auch das Bauamt, wenn die Wohnungen näher rücken. Die Wiro will Anfang der 2020er-Jahre das Werftdreieck in direkter Nachbarschaft entwickelt haben. Dazu kommt: „Ein Grundstück hinter der Halle ist noch nicht bebaut, wenn das bebaut wird, wird es eng“, sagt Heimhardt. Der Lärmschutz ginge vor.

„Natürlich gibt es Bestrebungen vom Eignerverein, dass man die Halle für immer nutzt, als Veranstaltungshalle genehmigt bekommt“, erklärt sie. Dann hätte der Verein, dessen Vorsitzender Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) ist, sich einen Status gesichert, bräuchte nicht fürchten, keine Genehmigungen zu bekommen. Das werde aber nicht passieren, sagt Heimhardt, weil bestimmte baurechtliche Vorgaben dafür nicht eingehalten sind – allen voran der Brandschutz. „Die Anforderungen an eine Versammlungsstätte sind nicht erfüllt“, sagt Heimhardt.

„Es ist ein Teufelskreis“, sagt Ortsbeiratsmitglied Alexander Ludwig, „durch zunehmende Wohnbebauung wird die Öffentlichkeit immer mehr zurückgedrängt“. Flächen zu finden, auf denen es keine Probleme gibt, werde schwierig.

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