#wirkoennenrichtig : Greifen: Rostocks mythische Schutztiere

Gut bewacht: „In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen“ heißt es am Portal des Steintors. Auch dort blicken die Wappentiere über die Stadt.
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Gut bewacht: „In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen“ heißt es am Portal des Steintors. Auch dort blicken die Wappentiere über die Stadt.

NNN-Serie Stadtansichten: Was zeige ich meinen Gästen?

svz.de von
28. Dezember 2016, 15:00 Uhr

So mancher trägt oder fährt einen kleinen Schutzengel mit sich herum. Vom Anhänger an der Halskette über das Tattoo bis zu figürlichen Kunstwerken in Miniaturform gibt es eine unendliche Auswahl. Die Sehnsucht nach persönlicher Fürsorge und Schutz scheint so groß wie nie zuvor zu sein, denn mehr als zwei Drittel der Deutschen glauben an die positive Wirkung dieser mythischen Wesen. Und doch scheinen die Engel auch manchmal zu schlafen, denn auch die lebendigen Engel – die Polizisten – haben mehr als genug zu tun.

Was heute so ist, war vor Jahrhunderten nicht anders. Der Mensch als Individuum und die Stadt als Gemeinwesen wollten beschützt sein. Kein Wunder, dass neben Nachtwächtern und anderem Wachpersonal hoch angesehene Schutzengel Dienst tun mussten, die bis heute ihre Aufgabe nicht als erfüllt betrachten. Jeder Rostocker kennt sie: unsere Greifen. Es ist nicht der eine Greif, sondern eine recht große Sippe mit unterschiedlichem Aussehen, die sich über die gesamte Stadt verteilt hat und sowohl von Gebäudegiebeln und -fassaden als auch in Amtsstuben und auf den Straßen ihre wachsamen Augen auf das städtische Treiben richtet. So ist der Greif offiziell seit 1858 durch Großherzog Friedrich Franz I. zum Wappentier erhoben worden, obwohl bereits Fürst Heinrich Borwin I. ihn 1219 in seinem Siegel verewigt hatte. So darf der Greif mit Fug und Recht und in allen Ehren den großen Stadtgeburtstag mitfeiern.

In der Hauptsatzung der Hansestadt vom 7. Juni 2005 wird das Wappen beschrieben: „Das Stadtwappen ist ein geteilter Schild, oben in Blau ein schreitender goldener Greif mit aufgeworfenem Schweif und ausgeschlagener roter Zunge, unten von Silber über Rot geteilt.“ Also, liebe Restauratoren und Kunsthistoriker: Kein Lifting oder abrupte Schönheitsoperationen. So ist er und so soll er bleiben. Denn Alter adelt.

Sollten Sie mit Familie oder Freunden einen Stadtspaziergang machen, den Kinder nicht immer spaßig finden, dann spielen Sie doch einmal „Greife suchen“ und machen Sie dabei Fotos.

Selbst gestandene Rostocker wird es überraschen, wenn sie bisher unbekannte Fundorte entdecken. Wie oft schaut man etwas an, ohne es wirklich zu sehen. Machen Sie sich scheinbar Bekanntes bewusst, entdecken Sie Neues. Unsere Stadtwächter und Beschützer mit den wehrhaft erhobenen Krallen, dem hoch erhobenen Adlerkopf und dem Körper eines flügelschlagenden Löwen – sie sind überall. Zu Ihren Füßen als Gullydeckel oder hoch oben an Portalen und Stadttoren, als Brückenwächter oder als Logo bekannter Firmen und Vereine. Am Portal des Rathauses könnten Sie beginnen, denn dort – über Ihren Köpfen – schreitet er in all seiner Pracht.







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