#wirkoennenrichtig heimat : Goldschmiedestadt Rostock

Zuckerschale, 1798 datiert von Jacob Martin Brunswig, Goldschmiedemeister seit 1792 in Rostock
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Zuckerschale, 1798 datiert von Jacob Martin Brunswig, Goldschmiedemeister seit 1792 in Rostock

Rostock in Zahlen: Handwerk war ein Aushängeschild der Hansestadt

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22. Mai 2017, 15:00 Uhr

616 Unter der Nr. 616 a-f 5 sind Beschau- beziehungsweise Merkzeichen der alten Rostocker Goldschmiede im Buch „Goldschmiede Mittel- und Nordostdeutschlands“ von Wolfgang Scheffler aufgeführt. Goldschmiedearbeiten einzelner Meister waren auch ein Aushängeschild der Stadt Rostock, die im Mittelalter die Stempelung der Stücke anordnete. Als Stadtbeschaumarke diente das „R“, das Initial der Stadt Rostock. Ab dem 16. Jahrhundert durften eigene Meistermarken verwendet werden und ergänzten die Stadtbeschaumarken. Durch das Reichsgesetz von 1884 galt eine allgemeine Stempelpflicht. Die Marken dienen heute als wichtiges Hilfsmittel zur Bestimmung von Provenienz und Künstler.

Die Goldschmiedekunst war in Rostock ein altes und hoch angesehenes Handwerk. Aus dem Jahr 1574 stammt die Amtsrolle der Goldschmiede, 1730 wurde sie renoviert. Bis 1569 sind in Rostock 9 Goldschmiedemeister nachweisbar, im Jahr 1822 arbeiteten in der Seestadt 9 und 1867 12 Goldschmiedemeister. Von den Anfängen bis Ende 19. Jahrhundert sind in der Hansestadt etwa 100 Goldschmiedemeister nachweisbar. Rechnet man auf einen Meister bis zu 10 Gesellen, dann beschäftigten sich zirka 1000 Menschen mit diesem Handwerk.

Aus ihren Händen stammen Becher, Zuckerdosen, Löffel, Löffelchen, Fischgabel, Sahnekännchen, Salznäpfe, Teesiebe, Vorlegeschaufel, Leuchter, Verzierungen, Pokale, Patene, Deckelhumpen, Oblatendosen, Abendmahlskelche, Taufkannen, Taufbecken, Klingelbeutelfassungen und Schmuck in vielen Arten und Formen.

In der religiösen Zeit des Mittelalters waren hauptsächlich die Fürstenhöfe, Kirchen, Klöster und wohlhabende Kaufmänner die Hauptauftraggeber für Gold und Silberarbeiten. In der neueren Zeit erwiesen sich die besten Goldschmiedemeister als kunstsinnige und geschäftstüchtige Juweliere, die kostbare Diamanten und Perlen in Gold- und Silbermetall einfassten und zu Ringen und anderen Schmuckstücken verarbeiteten.

So gehörte das Goldschmiedehandwerk in Rostock stets zu den besser situierten und angesehenen Professionen. Viele der Meister lassen sich als Hausbesitzer nachweisen. Ein Goldschmied namens Jacob Friedrich Borgwedel (1734-1810) wurde wie die Geistlichkeit, Professoren oder Ratsmitglieder in der St. Marienkirche begraben.

Unser Autor Dr. Edwin Kuna lässt Rostocks Geschichte in Zahlen Revue passieren.

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