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Ausstellung : Geschichte jüdischen Lebens

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Schwaaner Kulturförderverein stellt im Max-Samuel-Haus aus. Rostocker Zeitzeuge schildert seine Erinnerungen. #wirkoennenrichtig

„Von Moses Abraham bis Willi Marcus. Zur Geschichte jüdischen Lebens in Schwaan“ heißt die neue Ausstellung im Max-Samuel-Haus, die am Sonntag vom Schwaaner Kulturförderverein eröffnet worden ist. Als Ehrengast nahm der Neffe der Familie Marcus, der Rostocker Hans-Ludwig Levy, 1929 in der Hansestadt geboren, an der Veranstaltung teil.

Auf einem der Ausstellungsfotos ist er als dreijähriger Junge auf Besuch in der Brückenstraße 8, dem Haus der Familie Marcus in Schwaan, zu sehen. Bis zur Deportation der Familie im Juli 1942 war er dort oft zu Gast. So erinnert er sich an einen Besuch mit Onkel Willi und Tante Paula auf einem nahe gelegenen Bauernhof, auf dem schwarze Schweine zu sehen waren. Und weil er als Kind Schwierigkeiten mit dem Aussprechen der Zischlaute hatte, forderte seine Tante ihn auf, die Formulierung: „Schwarze Schweine aus Schwaan“ zu üben.

Auch ist ihm ein gemeinsamer Ausflug nach Warnemünde in Erinnerung geblieben. Das damals aufgestellte Plakat: „Juden unerwünscht“ hat er bis heute nicht vergessen. Die Freunde des Kulturvereins dankten Hans-Ludwig Levy mit einem Buchgeschenk „Schwaan wie ein Hauch verträumten Sinnens“.

Willi Marcus wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Der Cousine Inge gelang die Flucht nach Dänemark. Dr. Hella Ehlers, Vorstandsmitglied des Schwaaner Kulturfördervereins, hatte zuvor Einblicke in das Leben der ersten Juden in der Warnowstadt von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu ihrem Ende 1942 vermittelt. Sie dankte den Mitarbeitern des Max-Samuel- Hauses für die erfolgreiche 15-jährige Zusammenarbeit und hob besonders das Engagement des ehemaligen Leiters, Frank Schröder hervor, der sie immer wieder ermuntert habe, sich für ein öffentliches Gedenken in Form einer Tafel am jüdischen Friedhof in Schwaan einzusetzen. Dr. Ehlers dankte auch der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommerns, der Rostocker Universitätsbibliothek sowie dem Landeshauptarchiv Schwerin und dem Stadtarchiv Rostock für die Unterstützung.

Die musikalische Begleitung der Ausstellung hatte der Pianist, Komponist und Kantor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Schwaan, Alexander Moseler.
Morgen und am 30. März, jeweils um 14 Uhr, führen die Kuratoren Dr. Hella Ehlers und Hans- Jürgen Bramow durch die Ausstellung.

Sie ist bis zum 31. März, montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr im Max-Samuel-Haus, Schillerplatz 10, in der Nähe des Rostocker Hauptbahnhofes gelegen, zu besichtigen. Heute und am 29. März um 18 Uhr finden Vorträge zur Geschichte der Juden in Mecklenburg und zur Begräbniskultur am Beispiel des jüdischen Friedhofs Schwaan statt. Der Eintritt für die Ausstellung und die Begleitveranstaltungen ist frei.

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