zur Navigation springen

Rostock : Gedenken an homosexuelle NS-Opfer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rat und Tat organisiert mit CSD und Hansestadt Veranstaltung im Rathaus. Schüler konzipieren Ausstellung #wirkoennenrichtig

von
erstellt am 27.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Der Koch Otto S., der Landwirt Paul W., der Lehrer Gottfried T. – sie waren Rostocker, die wegen ihrer Homosexualität von den Nationalsozialisten verfolgt und entwürdigt wurden, zum Teil den Tod fanden. „Wir möchten nicht vergessen, was geschehen ist und auch nicht wem es geschehen ist“, sagt Rostocks Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke). Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus widmete sich Rostock am Freitag zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, dem bundesweiten Tag des Gedenkens an die NS-Opfer.

„Mit einem Mal stempeln die uns ab, keine Menschen mehr zu sein“, zitierte Eckhard Brickenkamp im Festsaal des Rathauses Walter Schwarze, der als Homosexueller 1940 in das Konzentrationslager Sachsenhausen kam. „Jeder Tag war eigentlich dem Tode geweiht.“ Brickenkamp hatte mit seinem Verein Rat und Tat und dem Verein Christopher Street Day das Gedenken organisiert, unter anderem den Berliner schwul-lesbischen Chor Cantare nach Rostock geholt. Bei der Kranzniederlegung am Mahnmal im Rosengarten und später im Festsaal kamen Vertreter hoher Ämter, Vereine, der Universität, Landtagsabgeordnete, Mitglieder von Bürgerschaft und Ortsbeiräte oder auch Marine-Vertreter zusammen.

„Unsere Gesellschaft ist noch gar nicht so aufgeklärt und tolerant, wie sie oberflächlich scheinen mag“, wandte sich Schülerin Lara Rehbein von der Werkstattschule an den vollen Saal. Mit fünf Mitschülern und dem stellvertretenden Geschäftsführer der Stiftung Mecklenburg, Florian Ostrop, hat sie 1,5 Jahre im Projekt „Un-sichtbar. Lesben, Schwule und Trans* in MV“ gearbeitet. Die Jugendlichen sprachen mit Zeitzeugen, auch den jüngsten, einer lesbischen Studentin, die Rostock verließ, weil sie sich nicht akzeptiert fühlte, oder auch einem Transsexuellen vom Land, der in der Hansestadt schon Aufgeschlossenheit empfand. Ihre Erfahrungen und historische Recherche des viel verschwiegenen Themas haben sie zur Ausstellung „Against Homophobia“ konzipiert, die sie ab Herbst durch das Land schicken.“





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen