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#wirkoennenrichtig lokal : Gebäude mit viel Geschichte

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Stadtansichten: Was zeige ich meinen Gästen? Ehemaliges Schifffahrtsmuseum hat lange Tradition

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2017 | 15:00 Uhr

Wer kennt es nicht, das denkmalgeschützte imposante Eckgebäude an der Steintor-Kreuzung, das die Inschrift Schifffahrts-Museum an der Fassade zur Richard-Wagner-Straße trägt. Der Name geistert immer noch als Bezeichnung für dieses Haus in den Köpfen vieler Rostocker, obwohl es bereits 2003 den Status eines Museums aufgeben musste und das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum auf dem Traditionsschiff im IGA-Park zu finden ist. Dass dies übrigens das größte schwimmende Museum Deutschlands ist, sei nur nebenbei erwähnt.

In den Jahren 1856/57 war das Gebäude hier – in unmittelbarer Nähe von Theater, Steintor, Ständehaus und Rosengarten – errichtet worden, denn die begüterten und einflussreichen Bürger des Rostocker Vereins Societät wünschten sich ein Gesellschaftshaus, das ihren Vorstellungen von einem kultivierten geselligen Beisammensein entsprach. Dazu schloss sich die Societät bald darauf mit dem Rostocker Kunstverein zusammen, den es seit 1840 gab. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts kaufte die Stadt das Gebäude und ließ es zum Museum umbauen. Das Kunst- und Altertumsmuseum, ab 1936 hieß es Städtisches Museum, hatte nun ein repräsentatives Zuhause und beherbergte auch die umfangreiche Sammlung des Kunstvereins.

1942, als die Bomben auch Rostock nicht verschonten, wurden die Kulturschätze ausgelagert, das Museum geschlossen. Nach Beseitigung der schlimmsten Kriegsschäden konnten Werke Ernst Barlachs gezeigt werden, in den 60er-Jahren war es Ausstellungsort für die Bienale der Ostseeländer und zwischen 1968 und 2003 war es das Rostocker Schifffahrtsmuseum. Es ist ein Glücksfall für die Rostocker, dass im Jahre 2006 der Verein Societät Rostock maritim gegründet wurde, dessen Mitglieder das Gebäude als Informations-, Bildungs- und Begegnungsstätte öffneten – und dies nur mit Eintritts- und Spendengeldern finanzieren. Wer sich in Ruhe über die Seefahrt und Schifffahrtsgeschichte informieren möchte, der sollte am Sonntagvormittag die Dauerausstellung besuchen. Die umfangreichen Exponate - ob Schiffsmodelle, Fotos oder die bebilderten Informationstafeln – sie sind eine Fundgrube für alle, die sich für Geschichte, Landeskunde und Seefahrt interessieren. Aber auch die wechselnden Sonderausstellungen, Vorträge, Lesungen und das Repair-Café sind Besuche wert. So stellt zurzeit der ehemalige Kapitän Norbert Rathge seine Fotos aus 62 Jahren Seefahrt rund um den Globus vor.

Eine besondere Freude aber machte mir der emeritierte Professor Peter Rommel, indem er mich teilhaben ließ an seiner „Freude mit Farbe in Meck-Pomm. Malerei, Karikaturen, Skulpturen der Natur“. Sicher wird er in seinem Berufsleben als Tierarzt, Forscher und Hochschullehrer viel geleistet haben, aber nun, im Ruhestand, scheint er als Künstler zur Höchstform aufgelaufen zu sein.

Lange schaute ich mir sein Selbstporträt an, das bezeichnenderweise im Bereich Karikaturen hing. „Ich“, war es benannt. Und dieser Ich muss ein äußerst humorvoller Pfiffikus sein, mit Blick für das Kleine, aber Besondere. Ganz sicher hätte Peter Rommel auch als Maler, Illustrator und Karikaturist seinen Lebensunterhalt verdienen können.

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