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Zoff in Warnemünde : Gaststätten-Lärm nervt Anwohner

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Am Alten Strom sorgt Beschallung durch die vielen Außenplätze für Konflikte. Senator will mit Ämtern und Beteiligten einen Kompromiss erzielen #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Im Ostseebad Warnemünde schwappen Am Alten Strom die Pegelstände der Emotionen seit Langem deutlich über Normalnull. Symbolisch gesehen gibt es bedrohliches Konflikthochwasser. Seit Monaten herrscht Zoff zwischen Bewohnern und zwei Gastronomen mit vielen Außenplätzen. Während die Urlauber und Gastronomen begeistert sind, kommen Anwohner kaum zur Ruhe. Feiern neben Wohnen bietet reichlich Zündstoff. „Ich kann eigentlich nie mehr meine Fenster öffnen, an Schlafen ist vor Schließung der Lokale kaum zu denken“, klagt Reeder Reiner Möller.

Auch Anwohner Detlef Thomaneck leidet unter dem nächtlichen Krach und ist nicht mehr gewillt, das hinzunehmen. „Ich weiß ja, dass ich nicht im Wald wohne, aber es muss ein vernünftiges Miteinander möglich sein, Warnemünde soll sich nicht zum Ballermann entwickeln“, sagt er. Kettenkasten-Wirt Wolfgang Froese findet die Lärmentwicklung Am Alten Strom ebenfalls kaum noch zu ertragen. Der Anwohner betreibt in seiner Gaststätte nur bis 22 Uhr Livemusik, um nicht in einen Streit mit den Nachbarn zu geraten.

Um die Konflikte zu entschärfen, hat es kürzlich einen Lokaltermin mit Betroffenen gegeben. Mit dabei Senator Chris Müller (SPD) und Vertreter verschiedener Ämter. „Wir haben mit allen Betroffenen gesprochen, müssen jetzt alle Aspekte beleuchten“, sagt Müller. Er hofft auf eine freiwillige Selbstbindung der Gastronomen. Und er schließt nicht aus, dass es eine Überprüfung geben wird, um zur Deeskalation beizutragen. „Jede Seite hat für sich betrachtet logische Argumente“, räumt Müller ein. Sein Ziel ist es, vor der Saison einen Vorschlag zu unterbreiten. Als Termin nennt er den Februar, das Datum ist noch offen. Es wird nötig sein, über Öffnungszeiten zu reden. „Wenn ein Verwaltungsgericht ins Spiel kommt, kann es zu spät sein, das ist dann bindend.“ Ein solches Beispiel gibt es im Ostseebad Boltenhagen.

Tourismusdirektor Matthias Fromm setzt auf eine friedliche Lösung: „Um die Attraktivität des Seebades zu gewährleisten, ist aus Sicht der Tourismuszentrale eine einvernehmliche Lösung anzustreben, welche die Bedürfnisse von Bewohnern und Touristen gleichermaßen berücksichtigt“, sagt er.

Einer der Gastronomen mit vielen Außenplätzen ist Adam Schwertfeger vom Seehund. Aktuell baut seine Familie das Restaurant Boot um. „Wir reden im Jahr von fünf Monaten“, sagt er. „Wir können die Leute nicht um 22 Uhr nach Hause schicken, da kann man die Musik ausmachen, aber losschicken, geht nicht. Die letzte Runde gibt es um 23 Uhr“, erklärt er. „Wir haben hier zu viel investiert, auch die Außenplätze und Personal kosten viel Geld, das muss refinanziert werden“, argumentiert der Gastronom. Er hat alte Fotos seiner Großeltern gefunden, die das Hotel Germania, das Restaurant und die Terrassen am Alten Strom betrieben haben. „Da ist zu sehen, dass noch mehr Außenplätze da sind“, so Schwertfeger.

Zur Unterstützung der Einhaltung der Gesetzmäßigkeit ist seit Jahren ein Stromvogt im Auftrag der Tourismuszentrale im Einsatz. Er führt von Mai bis Oktober Kontrollen bezüglich Lärmbelästigungen und Sondernutzungen durch. Keiner der Betroffenen hat ihn bisher gesehen.



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