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#wirkoennenrichtig heimat : Fürstliche Studenten

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Geschichte in Zahlen: Prinzen wurden während der Zeit an der Universität zu Rektoren ernannt. Ein Mediziner gilt als Vater des Seebades Doberan.

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erstellt am 23.Jan.2017 | 15:00 Uhr

602 – Fortsetzung

Das Studium der jungen Fürstensöhne beschränkte sich nicht auf die geistige Wissensaneignung, sondern schloss ebenso die körperliche Ertüchtigung und Unterhaltung ein. Eine Stunde vor jeder Mahlzeit war Fechtunterricht beim Universitätsfechtmeister eingeplant oder das Erlernen von Tänzen erlaubt und erwünscht. Vor der Abendmahlzeit amüsierte man sich mit Ball- und Kegelspielen und nach dem Abendbrot an „exercitium musica“ oder am beliebten Schachspiel. Und bei aller Vorsicht um die körperliche Versehrtheit gab es auch noch Schießunterricht, damit aus den Studenten mit Degen und Pistole reife Männer wurden.

Fürstliche Studentenbesuche kamen den Universitäten gelegen, sie waren ein Aushängeschild für jede Akademie und sicherten die Gunst eigener und fremder Landesherren. Deshalb gab es an allen deutschen Universitäten den Brauch, die Prinzen während ihres Studiums zu Rektoren zu ernennen, das bedeutete, dass sie in ihrem oft noch knabenhaften Alter ein Ehrenamt ausübten, was oft anstrengende Repräsentationspflichten einschloss, ansonsten stand ihnen tatkräftige Hilfe zur Seite.
Nachdem Prinz Ulrich im Sommersemester 1602 das Rektorat in Rostock erfolgreich ausgeübt hatte, beschloss das Rostocker concilium professorum am 9. Oktober 1602, ihm auch für das Wintersemester diese hohe Würde zu übertragen.

Der Präzeptor Dr. Chemniutius fragte darauf beim Vater in Wolgast nach Erlaubnis zur Annahme der Ehre an: Herzog Ulrich „habe sich den Sommer über mit öffentlichen orationobis auch noch neulich in disputationobis mit Opponieren dermaßen Verhalten, dass es S. F. G. bei männiglich Ruhm hätte“. Am 13. Oktober gab Herzog Bogislaw die Erlaubnis, dass sein Sohn auch im Wintersemester weiterhin das Rektoramt behalte. Bis in den Sommer 1603 blieb Prinz Ulrich auf der Rostocker Universität, als die Pest ausbrach, rief man ihn an den Hof nach Pommern zurück. Zwei Jahre später besuchte Ulrich zur weiteren Fürstenausbildung die Universität Tübingen.


603

Auf Seite 603 in der „Bibliotheca medico-chirurgica et anatomico-physiologica ...“ Band 1 von Wilhelm Engelmann und Theodor Christian Friedrich Enslin aus dem Jahr 1848 sind die Publikationen vom Rostocker Mediziner Samuel Gottlieb von Vogel aufgeführt. Samuel Gottlieb von Vogel war ein anerkannter norddeutscher Mediziner und gilt als Vater des Seebades Bad Doberan. Vogel stammte aus Thüringen, wurde am 14. März 1750 in Erfurt als Sohn des Arztes Rudolf Augustin geboren, der bald darauf eine Professur in Göttingen antrat.

Im Alter von 14 Jahren nahm er nach Schulbesuch in Göttingen das Medizinstudium an der dortigen Universität auf, promovierte 1771 nach siebenjährigem Studium und habilitierte sich 1776. Nach der Ausbildung praktizierte er zunächst als Arzt in Göttingen, ab 1780 in Ratzeburg als Landphysikus und dazu ab 1783 für das Herzogtum Lauenburg. Dort wurde Vogel auch 1785 zum königlich englischen Hofmedikus ernannt.

1789 kam Vogel als Hofrat, Garnisons-Medikus und zweiter Medizinprofessor nach Rostock und wurde 1791 Leibmedikus von Herzog Friedrich Franz.

Große Verdienste erwarb sich Professor v. Vogel in jenen Jahren um die Gründung des Seebades Doberan. Vogel propagierte die Heilsamkeit des Wassers und Seebadens mit großer Leidenschaft. Als Badearzt war er regelmäßig unter den Kurgästen zu finden, hielt Sprechstunden ab und stand gleichwohl zu Konsultationen zur Verfügung: „Die beste Zeit zum kalten Baden ist des Vormittags …“ Vogel gebührt auch der Ruhm, das Soolebad zu Sülze eingerichtet zu haben.

In seinen etwa 20 Veröffentlichungen kleinerer und größerer Art beschäftigte er sich in der medizinischen Forschung und zu Anleitung des Publikums von Kopf- bis Zahnschmerz und sonstigen menschlichen Wehwehchen. Das kalte Bad galt dem Arzt als ein Allheilmittel. Es schützte auch vor Onanie und brachte die „Onaniten“, besonders Kinder und Jugendliche, auf den Weg der Heilung. Diesem medizinisch-pädagogischen Anliegen seiner Zeit widmete er sein Werk mit dem umständlichen Titel: „Unterricht für Eltern, Erzieher und Kinderaufseher, wie das unglaublich gemeine Laster der Selbstbefleckung am sichersten zu entdecken, verhüten und zu heilen“ (1787). Professor Samuel Gottlieb Vogel starb in der Nacht zum 19. Januar 1837 an einer Grippe.



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