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DDR-Zeitschirft in der Kunsthalle Rostock : Fotograf erinnert an seine Sibylle

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rudolf Schäfer besucht Schau über DDR-Zeitschrift in Rostock #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Sie hat die Sehnsucht nach dem Schönen in der DDR bedient, die Zeitschrift für Mode und Kultur Sibylle. Gemeinsam mit dem Fotografen Rudolf Schäfer hat Kurator Ulrich Ptak gestern in der Kunsthalle die Tätigkeit als Modefotograf in dieser Zeit beleuchtet. 35 Fotografen haben in den Erscheinungsjahren zwischen 1956 und 1995 für die Sibylle gearbeitet, Schäfer war einer von ihnen. Im Rahmenprogramm zur Ausstellung erinnerte sich der heutige Professor für Fotografie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an seine zehnjährige Tätigkeit für die Zeitschrift.

„Viele Fotografen, die für die Sibylle gearbeitet haben, haben später ihre Werke vernichtet“, weiß Kurator Ulrich Ptak aus seiner Recherche im Vorfeld der Ausstellung. „Aber die Sibylle war für sie eine Möglichkeit, zu veröffentlichen.“ Denn bei vielen stand nicht die Mode im Fokus ihrer Arbeit. „Ute Mahler zum Beispiel hat sich für Porträts interessiert. Die Mode war Nebensache für sie“, erzählt Ptak.

Auch Rudolf Schäfer hat sich damals geschämt, Mode zu fotografieren, gibt er vor den Ausstellungsbesuchern zu. „Das war keine große Kunst“, so der Fotograf. Dennoch ist der gebürtige Thüringer froh, dass die Kunsthalle der Zeitschrift mit der Ausstellung eine Art Monument gesetzt hat. „Die Sibylle ist nämlich auch ein Beispiel dafür, dass es mit Kreativität und Spaß trotzdem geht“, so Schäfer, „denn Mangel setzt auch Kräfte frei.“ Im Gespräch mit Besuchern und Kurator erzählt der Fotograf, dass sie für die Aufnahmen eben nicht einfach mal an schöne Orte reisen konnten, die Accessoires meist den Models selbst gehörten, weil diese Dinge schwer zu bekommen waren, und die Sibylle-Redakteurinnen auch gleichzeitig für das Make-up zuständig waren. „Es gab keine professionellen Models und auch beim Fotografieren für das Titelbild hatte man nur 12 oder 24 Versuche, je nachdem wie viele Fotos der Film hatte. Dann musste das Bild im Kasten sein“, erzählt Schäfer. „Und die Bilder zeigen die Models so wie sie damals waren. Da gab es noch kein Photoshop.“ Zudem musste jedes Foto vor dem Druck vorgelegt und geprüft werden. „Wir wussten alle, was definitiv nicht geht“, so Schäfer. Aber dennoch: „Diese Grenzen waren auch Möglichkeiten und haben die Sibylle zu dem gemacht, was sie war“, findet Schäfer.

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