Rostock : Forscher stellen dem Dorsch nach

Welche Bedingungen Dorsche zum Wachsen benötigen, das erforscht Maria Pierce.
Welche Bedingungen Dorsche zum Wachsen benötigen, das erforscht Maria Pierce.

Neues Projekt der Uni-Informatiker und des Thünen-Instituts soll Vorhersagen für den Ostsee-Bestand ermöglichen #wirkoennenrichtig

svz.de von
29. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Forscher der Rostocker Uni und des Thünen-Instituts für Ostseefischerei wollen gemeinsam die Entwicklung der Dorschbestände in der Ostsee genauer vorhersagen. Statt wie bisher bloße Fangzahlen zusammenzutragen, widmen sie sich dabei der Ursachenforschung. Besonders interessieren sie sich für die kleinen und unterernährten Hungerdorsche im Osten und den zu geringen Nachwuchs im Westen. Denn diese können von den Fischern nicht genutzt werden.

„Bisher wurden Veränderungen von Dorschbeständen eher als Veränderungen von Fischkonzentrationen dargestellt“, sagt die Projektleiterin aus der Informatik, Prof. Adelinde Uhrmacher. „Die Daten aus den Fängen der kommerziellen Fischerei und aus fischereiunabhängigen Forschungsreisen werden bisher in eine große Bilanzgleichung gesteckt, und diese ist dann die Basis für Fangquotenempfehlungen.“ In diesem Gleichungssystem konnten allerdings Randbedingungen wie die Entwicklung des Salz- und Sauerstoffgehalts in verschiedenen Tiefen und deren Auswirkungen auf Wachstum und Sterblichkeit der Dorsche nicht berücksichtigt werden – und schon gar nicht das Verhalten individueller Dorsche.

„Bisher galt: Gibt es genug Futter für den Dorsch, geht es ihm gut. Aber ein Dorsch kann nur verdauen, wenn er genug Sauerstoff in der richtigen Wassertiefe hat“, erklärt Informatik-Doktorandin Maria Pierce. Diesem Thema hat sie auch ihre Masterarbeit gewidmet, in der sie die Auswirkungen von chronischem Sauerstoffmangel auf einzelne Exemplare untersuchte. Im aktuellen Forschungsprojekt soll nun der Dorsch mit seinem Laich-, Bewegungs- und Fressverhalten genauer modelliert werden. Danach können größere Fisch-Gruppen im Computer simuliert werden – und in der Zukunft vielleicht sogar Aussagen für einzelne Bestände gemacht sowie die Bestandsentwicklung vorausberechnet werden. Ursächliche Zusammenhänge sind dabei dann wichtiger als rein statistische Auswirkungen. Pierce: „Im bisherigen Modell werden zu wenige der relevanten Informationen erfasst.“

Die Rostocker Informatiker modellieren individuelle Dorsche in ihrem Verhalten und ihrer Interaktion mit der Umgebung, die dann im Rechner nachgebildet werden. So kann der Einfluss der Umweltbedingungen im Lebensraum der Dorsche besser nachvollzogen und simuliert werden. Dafür verwenden die Rostocker Mehr-Ebenen-Modelle, in denen verschiedene Informationen kombiniert werden.

Das Wissen über den Dorsch und die Bedingungen in der Ostsee stammt von den Biologen des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, die dieses Kooperationsprojekt initiiert haben. Dr. Uwe Krumme, Projektleiter der Biologie-Seite und stellvertretender Direktor des Instituts, sagt: „Mithilfe des Simulationssystems können wir hoffentlich bald besser verstehen, wie die Dorsche in ihrem besonderen Lebensraum leben, und was sie dünn macht oder warum wir nur noch so wenige große Dorsche finden.“

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