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#wirkoennenrichtig lokal : Familienbetrieb mit Charme

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Für die NNN-Serie „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ hat Redakteur Torben Hinz den Marktkrug besucht und seine Eindrücke aufgeschrieben.

von
erstellt am 20.Jan.2017 | 15:00 Uhr

Im verrauchten Hinterzimmer kloppen die Jungs Skat, vorne genießen die Gäste die Wärme des Ofens und die leckere Hausmannskost, in der Küche wirbelt Babsi und Holli ist irgendwie überall gleichzeitig zu finden. Ohne ein wohliges Gefühl kommt bei ihm niemand wieder aus dem Marktkrug. Sein Leitsatz: „Wenn einer mit schlechter Laune reinkommt, dann muss er mit guter wieder gehen.“ Schwer fällt das nicht. Der 55-Jährige mit dem herzlichen Charme versprüht sie schließlich selbst in rauen Mengen – und das steckt an.

Seine Gäste begrüßt Holger „Holli“ Asendorf fast durchweg per Handschlag. Und auch ein Schnack über die Familie und das generelle Wohlbefinden ist immer drin. Wer den Marktkrug betritt, der fühlt sich gleich wie zu Hause. Kein Wunder, dass 80 Prozent der Gäste zur Stammkundschaft zählen. „Das sind alles jahrelange Wiederholungstäter. Da kannst du machen, was du willst – die kommen immer wieder“, sagt Holli, während er Herbert auf die Schulter klopft.


Rostocks älteste Skatrunde?


Der kloppt seit vergangenem Jahr in der vielleicht traditionsreichsten Skatrunde Rostocks mit und weiß die Vorzüge des Lokals am Ulmenmarkt zu schätzen: „Hier gibt es keinen Stress, keinen Streit, sondern immer eine gute Atmosphäre“, erklärt er, während er am Holztresen sitzt und an seinem Bier nippt. Seine Skatbrüder spielen bereits seit 1988 in ihrer geselligen Runde. Damit sind sie sogar länger im Marktkrug, als Chefin Barbara Schmidt, die von allen nur Babsi genannt wird. Sie kaufte das Haus 1996 von ihrem damaligen Chef. Der war nach der Sanierung seiner zweiten Kneipe, dem Frosch im Patriotischen Weg, in finanzielle Not geraten. „Die Reaktion meiner Eltern war: Um Gottes Willen“, sagt die heute 47-Jährige. Schließlich hatte sie damals ein kleines Kind zu versorgen. Und tatsächlich sei der Spagat in den ersten Jahren nicht immer einfach gewesen: „Meine Tochter hat hier Mittag und Abendbrot gegessen und ihre Hausaufgaben gemacht – sie ist hier groß geworden.“ Mittlerweile packt die älteste der drei Töchter ab und zu selbst mit an, wenn viel los ist. Aber in der Regel schmeißen Babsi und Holli ihren Laden allein. „Wir sind ein reiner Familienbetrieb“, sagt Holger.

Genau das scheint das Erfolgsgeheimnis des Paares zu sein. Das bestätigt zumindest Thammo Stolle. „Sie führen ein ganz tolles Familienleben, das ist eben eine wunderbare Stammkneipe“, sagt der 77-Jährige. Er kommt fast täglich vorbei und zählt quasi selbst zur Familie. „Alleine vorm Fernseher sitzen, macht nicht so viel Spaß“, sagt Thammo. Viel lieber gucke er die Sportübertragungen, wie derzeit die Handball-WM in Frankreich, in Gesellschaft im Marktkrug. Dort fühlt er sich wohl – bei den aktuellen Temperaturen vor allem am Ofen, für den die Holzscheite etwas versteckt im hinteren Teil der Kneipe aufgeschichtet liegen. „Wenn er nicht da ist, mache ich mir immer ein bisschen Sorgen“, sagt Holger und ergänzt: „Die Familie ist erst mal das Wichtigste.“

Gleich danach kommen aber die Gäste. Für die opfern die beiden auch schon mal ihre Freizeit. Zum Beispiel immer am ersten Montag des Monats. Statt dann den üblichen Ruhetag einzulegen, machen die beiden für einen ganz besonderen Stammtisch eine Ausnahme: Der wurde vor 25 Jahren von Studenten gegründet, die bis heute Kontakt halten. „Da sind mittlerweile welche aus Australien oder Neuseeland dabei“, sagt Holger. „Das sind fast Freundschaften, die sich entwickeln.“


Vielseitige Küche mit Geschmack


Seine Babsi lernte Holger 2008 kennen, nachdem er schon 1994 aus Bremen nach Rostock gezogen war. Damals betrieb er noch eine Firma für Fahrzeugaufbereitung. Die verkaufte er später, um am Tresen einzusteigen. Den hatte vorher Babsi geschmissen, die aber gerne in die Küche wechselte. Dort zaubert sie selbst gemachtes Würzfleisch, Chili con Pommes oder den Sheriffteller mit einem Steak texanischer Größe. Von den Gästen gibt es dafür durchweg positive Rückmeldungen.

„95 Prozent verbinden den Besuch mit einem Essen“, sagt Holger, der schon mal leicht ins Schwitzen kommen kann, wenn in der Küche im Minutentakt die Klingel ertönt. Dann gilt es, die Gerichte schnell auszuliefern. Sonst „droht“ Ärger von seiner Liebsten, deren Name jahrelang synonym für den Marktkrug stand. Sein Lohn: „Heute kann es schon mal vorkommen, dass die Leute sagen ,Wir gehen zu Holli‘.“

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