#wirkoennenrichtig Vereine : Experten in eigener Sache

Im Büro von Gudrun Buse im Gemeinsamen Haus in der Henrik-Ibsen-Straße 20 trifft Alt auf Neu. Die Punktschriftmaschine auf dem Schreibtisch stammt vermutlich aus den 1950er-Jahren, während das die Schrift vergrößernde Bildschirmgerät ganz modern ist.
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Im Büro von Gudrun Buse im Gemeinsamen Haus in der Henrik-Ibsen-Straße 20 trifft Alt auf Neu. Die Punktschriftmaschine auf dem Schreibtisch stammt vermutlich aus den 1950er-Jahren, während das die Schrift vergrößernde Bildschirmgerät ganz modern ist.

Mitglieder des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins bieten Betroffenen Rat und Hilfe sowie Veranstaltungen an

svz.de von
20. Mai 2017, 15:00 Uhr

Mit rund 125 Mitgliedern ist die Gebietsgruppe Rostock die größte der insgesamt 19 Gruppen des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins Mecklenburg-Vorpommern e. V. Vorsitzende ist seit 20 Jahren Gudrun Buse, die aufgrund einer Augenerkran-kung ihren Beruf als Kin-dergärtnerin aufgeben musste.

„Die Situation ist für mich wie für andere Blinde und Sehbehinderte nicht einfach. Deshalb bin ich froh, dass ich hier im Verein eine Aufgabe habe und anderen Menschen helfen kann“, sagt die 57-Jährige. An ihrer Seite hat sie zahlreiche Gleichge-sinnte, die sich ehrenamt-lich beispielsweise in den Arbeitskreisen für Umwelt und Verkehr, für Öffentlichkeitsarbeit sowie für Freizeit, Kultur und Tourismus engagieren.

Zudem bestehen Begegnungsgruppen im Rostocker Nordwesten, in der Südstadt und in Stadtmitte. „Unser 1990 gegründeter Verein, der aus dem Blinden- und Sehschwachen-Verband der Bezirke Neubrandenburg, Rostock und Schwerin der DDR hervorgegangen ist, versteht sich als Interessenvertreter, um in Politik und Gesellschaft auf unsere Probleme aufmerksam zu machen und Lösungen einzufordern. Zudem stehen wir Betroffenen gern mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Gudrun Buse.

Während der Sprech-stunde an jedem Dienstag von 10 bis 12 sowie von 14 bis 16 Uhr, die jeder Betroffene nutzen kann, beantwortet das aus Mitgliedern bestehende Beraterteam die Fragen. „Wir sind Experten in eigener Sache und kennen uns also aus. Wir wissen, wo man einen Schwerbehindertenausweis oder Blindengeld beantragen muss, welche Hilfsmittel es wo gibt“, sagt die Gebietsgruppenleiterin. Darüber hinaus wird den Mitgliedern ein umfangreiches Veranstaltungspro-gramm geboten. So fand auf Wunsch kürzlich die Vorstellung einer neuentwickelten Brillenkamera statt.

Aber auch Sommerfeste, Weihnachtsfeiern, Wanderungen, Bastelnachmittage oder Busausflüge – demnächst nach Mirow – stehen auf der Tagesordnung. Sehr beliebt sind Führungen durch Ausstellungen oder den Rostocker Zoo. „Die Geräusche der Tiere, die Gerüche, sie wecken Erinnerungen an die Zeit, als dieser oder jener noch sehen konnte. Wir dürfen dann auch mal ein Tier anfassen, eine Feder oder ein Horn in die Hand nehmen. Solche Erlebnisse sind unvergesslich“, findet Gudrun Buse.

Schade, so meint die Rostockerin, ist es, dass sich viele der Blinden und Sehbehinderten zurückziehen. „Natürlich ist es eines jeden Sache, ob er allein zu Hause bleibt oder am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Aber aus Gesprächen weiß ich, dass es viele Blinde und Sehbehinderte gibt, die nach dem ersten Kontakt zu uns froh sind über die Möglichkeit, sich mit Betroffenen auszutauschen und während einer Veranstaltung ihre Sorgen für eine paar Stunden zu vergessen“, sagt Gudrun Buse.



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