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Zuhälter-Prozess : „Es steht Aussage gegen Aussage“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Gabriel S. soll junge Rumänin zur Prostitution gezwungen haben. Anklage fordert Haft, Verteidigung Freispruch #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Im Prozess gegen den rumänischen Autohändler Gabriel S. (30) wegen besonders schweren Menschenhandels und Zuhälterei sind gestern die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwältin beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten sowie die Rückzahlung von 10 000 Euro. Dem schloss sich die Vertreterin der Nebenklage an, die dem mutmaßlichen Opfer Ionela-Ruxanda H. (23) zur Seite steht. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

„Für mich steht fest, dass die Tat wie angeklagt stattgefunden hat“, eröffnete die Staatsanwältin ihren Schlussvortrag. „Mit einigen Veränderungen“, fügte sie hinzu. Der Angeklagte habe seine Landsmännin unter Vorspiegelung falscher Angaben nach Deutschland gelockt und sie vom 26. Januar 2014 bis zum 3. August 2015 in Kassel, Frankfurt am Main, Dessau, Magdeburg und Rostock zur Prostitution gezwungen, unter anderem durch Schläge. Während eines Aufenthalts in Dessau, bei dem Ionela-Ruxanda H. ihre Rückreise ins Heimatland organisierte, habe der Angeklagte ihr sein Knie in den Bauch gestoßen. Alle Einnahmen habe die damals noch nicht 21-Jährige dem Angeklagten übergeben müssen – bis zu 15 000 Euro. Ionela H. sei glaubwürdig, denn ihre „Aussagen waren detailreich und nachvollziehbar“. Zugunsten des Angeklagten wertete die Staatsanwältin, dass er weder in Deutschland noch in Rumänien vorbestraft ist, die Taten bereits zwei Jahre zurückliegen und er seit sechs Monaten in Haft sitzt. Als strafverschärfend jedoch, dass er das Alter der jungen Frau kannte, ihre Hilflosigkeit ausnutzte und sie ausbeutete.

„Es steht Aussage gegen Aussage. Glaube ich dem Angeklagten, weil er mein Mandant ist?“, fragte die Verteidigerin, um hinzuzufügen: „Er hat mich überzeugt.“ Die Aussagen der einzigen Belastungszeugin würden viele Widersprüche enthalten. Sie sei eine Prostituierte und stehe damit in gewisser Nähe zur Kriminalität. Gabriel S. könne sie kaum zur Prostitution gezwungen haben – er sei nachweislich die meisten Monate im Jahr über 2000 Kilometer entfernt gewesen. Auch deshalb hätte Ionela H. jederzeit in ihr Heimatland zurückkehren können. Aus Eifersucht und Rachegefühlen hätte sie ihren Mandanten beschuldigt, weil er sich von ihr getrennt hatte. Sie habe ihm verschwiegen, dass sie bereits eine vierjährige Tochter hat, die bei den Großeltern in Rumänien lebt.

„Ich wünsche mir nur Gerechtigkeit“, sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort. Das Urteil wird am 19. Juli verkündet.

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