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#wirkoennenrichtig : Erst Seemann, dann Schriftsteller

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Gehlsdorfer Peter Weise schreibt Geschichte(n). Bücher im BS-Verlag-Rostock erschienen.

„Kennst du eigentlich Peter Weise? Gustloff-Überlebender, Kapitän, Gehlsdorfer Schriftsteller?“ Ich schüttelte den Kopf. Kennen? Nein. Aber über ihn gelesen hatte ich, sodass mir sein Name im Gedächtnis geblieben war. Dieser Mann, der sein gesamtes Arbeitsleben der Seefahrt und Hafenwirtschaft gewidmet hatte, war als 71-Jähriger mit dem Förderpreis „Gutes Deutsch“ ausgezeichnet worden. Dies und die Laudatio des Bürgerschaftspräsidenten Dr. Wolfgang Nitzsche (Linke) hatten mich ziemlich beeindruckt. Wenig später drückte mir der Fragesteller Peter Weises Buch „Hürdenlauf – Erinnerungen eines Findlings“ in die Hand und empfahl mir, es unbedingt zu lesen.

Und ich tat es, las mit Staunen, mit Freude – und wieder war ich tief beeindruckt. Weshalb? Wie kann jemand über sein Leben schreiben, wenn der Beginn so völlig im Dunkeln liegt und es niemanden gibt, der gefragt werden kann nach Eltern, Großeltern, Land und Leuten? Peter Weise versteht es, in seinem „Hürdenlauf“ diesen Teil seines Lebens als fiktive, dennoch zutiefst glaubhaft erscheinende Geschichte zu erzählen. Der Leser erlebt einen Neugeborenen im letzten Kriegsjahr in Ostpreußen, inmitten seiner liebevollen Familie. Noch nicht einmal ein Jahr alt, wird er als letzter Überlebender nach dem Untergang der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945 aus der eisigen Ostsee geborgen. Sein Retter wird sein Vater. Er und seine neue Mutter ermöglichen ihm eine glückliche Kindheit in Gehlsdorf, seiner neuen Heimat. Es war seltsam, wie ich als Leser nun unmittelbar mit der eigenen Kindheit konfrontiert wurde. Da sind die selben Lehrer der kleinen Grundschule, die Spielplätze an der Warnow, es sind die Erlebnisse eines kleinen Jungen, die mir so vertraut sind. Und doch kennen wir uns nicht. Aber immer wieder finde ich Gedanken, Lebensansichten, Erinnerungen, die mich berühren. Vor allem aber ist es dieser besondere Schreibstil. Der Seemann hat seine Sprache gefunden, die zu ihm passt: rational, exakt, stimmig.

Und dann lernte ich Peter Weise am 30. Januar bei seiner Lesung im Hotel Am Alten Strom persönlich kennen. Das Bild von ihm rundet sich, als er liest, Anekdoten aus dem „Hürdenlauf“ erzählt und aus seinem Leben plaudert. Allein durch sein Talent, deutsche Mundarten und Dialekte lebendig werden zu lassen, könnte er Zuhörer problemlos einen ganzen Abend unterhalten. „Woher kennen Sie die ostpreußische Mundart?“, fragt ihn ein Zuhörer. „Hab ich wohl mit der Muttermilch eingetrichtert bekommen“, antwortet er mit einem Augenzwinkern in eben dieser Mundart und lächelt verschmitzt. Dass Siegfried Lenz sein Lieblingsautor ist, verwundert nicht, ebenso wenig wie die Tatsache, dass seine Werke im heimatlichen BS-Verlag-Rostock erschienen sind und er in der Wossidlostraße seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat, natürlich mit Blick auf die Warnow.

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