Gesundheit : Ernährungsdoc berät die Rostocker

Ernährung kann Krankheiten sogar heilen, erklärt Dr. Jörn Klasen.
Ernährung kann Krankheiten sogar heilen, erklärt Dr. Jörn Klasen.

Experte Dr. Jörn Klasen stellt neues Buch bei Hugendubel vor. Im Interview spricht er über die Macht einer gesunden Lebensweise #wirkoennenrichtig

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09. Februar 2018, 12:00 Uhr

Über die besten Ernährungsstrategien bei Rheuma, Arthrose, Gicht und Co. spricht Dr. Jörn Klasen am Montag, 19. Februar, im Rostocker Hugendubel. Klasen ist Facharzt für Innere Medizin, Heilpädagoge und einer der Ernährungsdocs der gleichnamigen Fernsehsendung. In Rostock stellt er deren neues Buch „Starke Gelenke“ vor und geht der Frage auf den Grund, ob man mit den Volkskrankheiten leben muss. Im Interview mit Nicole Pätzold-Glaß gibt er einen Einblick.

Ernährung scheint den Menschen wichtiger zu sein als früher. Wie erklären Sie das?

Klasen: Es ist ein Weg, allein etwas zu tun. Die Leute sehen, wenn ich etwas an meiner Ernährung ändere, dann geht es mir besser. Da kann ich bewusst Eigenverantwortung übernehmen, indem ich selbst einkaufe, selbst koche.

Ist es wichtig, Essen selbst frisch zuzubereiten?

Das wird wichtiger. Zwar haben die Leute nach dem Ernährungsbericht 2016 mehr Fertiggerichte gekauft, aber insgesamt erlebt man eine Bewegung, ob das Paleo ist, Vegan, Vegetarisch – die Leute setzen sich mehr damit auseinander, was sie essen. Viele Jahrzehnte war das mehr so nebenher.

Was kann man selbst über Ernährung steuern?

Man kann sein gesamtes Befinden damit beeinflussen und steuern. Man muss ein bisschen auf sich selbst horchen, was kann ich gut vertragen, bin ich jemand, der deutlich mehr Vegetarisches braucht. Die Leute verstehen immer mehr, dass sie diesen Krankheiten der Wohlstandsgesellschaft vorbeugen können – ob das Bluthochdruck ist, Fettstoffwechselstörungen, Fettleber, Diabetes Typ 2. Ich kann sie mit Ernährung sogar zu einem nicht geringen Teil heilen.

Am 19. Februar soll es ja auch um Arthrose gehen. Hat das „nur“ etwas mit dem Gewicht zu tun oder kann man da noch anderweitig durch Ernährung etwas steuern?

Die häufigste Arthrose ist die Kniegelenksarthrose. Da ist jedes Kilo wichtig. Bei jeder Bewegung liegt das 3,5-Fache unseres Körpergewichtes auf dem Kniegelenk. Man kann extrem viel Gutes für sich tun, dass die Belastung nicht überhand nimmt, indem man abnimmt. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir wissen, Arthrose basiert auf einem chronischen Entzündungsprozess. Deswegen muss man wissen, was fördert Entzündungen, was bremst sie.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel fördert Zucker Entzündungen, dann die Arachidonsäure, das sind die Omega-6-Fettsäuren zum Beispiel im Schweinefleisch, zum Teil auch im Putenfleisch, dann ist Weizen auch noch ungünstig. Während zum Beispiel eine Entzündung gebremst wird, durch drei Tassen Kaffee am Tag, frisch gebrüht, frisch gemahlen, dunkle Schokolade ab 70 Prozent aufwärts, gute Gewürze, zum Beispiel Kurkuma, Kardamom, Zimt, Kreuzkümmel. Und dann kann man für sich viel Gutes tun durch gute Öle, durch Omega-3-Fettsäuren in Leinöl, Olivenöl, Rapsöl aber auch in Tiefseefischen wie Lachs und Makrele. Wenn man das beachtet, kann man dem weiteren Abbauprozess bei der Arthrose deutlich entgegenwirken.

Ist das nur ein Thema, das ältere Leute was angeht?

Nein überhaupt nicht. Wir sehen ja, wie früh heute das Übergewicht geschieht, die Veranlagung zum Beispiel der Arthrose wird schon im Schulkindalter gelegt.

Was ist mit Rheuma und Gicht?Gilt letztlich ein ähnlicher Leitfaden?

Also bei Rheuma ist es ein ähnlicher, aber bei Gicht nicht. Das ist eine Ausscheidungsstörung von Harnsäure der Niere. Da muss man vor allem auf Purine achten im Stoffwechsel.

Was ist das?

Das sind Abbauprodukte, die zum Beispiel vorkommen in Fleisch und die zur Harnsäure abgebaut werden im menschlichen Organismus. Wenn das dann nicht ausgeschieden werden kann, bilden sich Harnsäurekristalle in Gelenken und man kriegt die Gichtanfälle. Purine gibt es auch im Pflanzenreich, besonders ausgeprägt bei Hülsenfrüchten.

Was hilft denn dagegen?

Man muss purinarme Kost essen. Deswegen haben wir in unserem Buch „Starke Gelenke“ in jedem Rezept auch den Purin-Anteil dazugeschrieben.

Wie passt Alkohol in das Konzept von gesunder Ernährung?

Bis zu ein Glas Wein am Tag ist okay: 14 Gramm Alkohol für die Frau und doppelt so viel für den Mann, ungerecht, aber das ist so. Ein guter Wein hat irgendwas zwischen 12 und 14 Prozent, also 100 Milliliter.

Termin: Dr. Jörn Klasen „Die Ernährungs-Docs – Starke Gelenke“, 19. Februar, 20.15 Uhr bei Hugendubel, Kröpeliner Straße 41, Karten gibt es direkt vor Ort oder unter Telefon 0381/492 61 63.

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