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Einmaliges Buch : Erinnerungen an ihren Tilo

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Graal-Müritzerin Gertrud Luise Preuß verarbeitet Suizid ihres Sohnes in dem Buch „Die verlorene Seele“ #wirkoennenrichtig

Vier Jahre hat es gedauert, bis Gertrud Luise Preuß das Manuskript für ihr Buch fertig hatte. Es war so, wie sie es sich vorgestellt hat. Denn ihr Buch „Die verlorene Seele – der Weg nach Hause“ beschreibt das wohl schlimmste Schicksal, das Eltern ereilen kann: den Tod des eigenen Kindes. „Es war mir ein persönliches Bedürfnis, Tilos Geschichte zu erzählen“, sagt die 71-Jährige. Denn darin beschreibt sie nicht nur seinen Versuch, mit dem Leben und den Hindernissen klar zu kommen, die sich ihm immer wieder in den Weg gestellt haben, sowie die schwere Zeit, die sie und ihr Mann nach dem Suizid des Sohnes durchmachen mussten, sondern sie hält auch die schönen Momente fest. Erinnerungen an Tilos Kindheit, die der Graal-Müritzerin ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

„Heute fühle ich mich innerlich gestärkt“, sagt Preuß. Viele heilsame Gespräche, die sie seit diesem Tag im März 2012 geführt hat, haben ihr dabei geholfen, die Trauer zu bewältigen. Auch diese Erfahrungen hat sie in dem Buch festgehalten. „Jeder trauert anders. Ich wollte meinen Schmerz rauslassen dürfen, mit Worten und Gesten“, erzählt die 71-Jährige. „Beim Schreiben hat es zwar wieder alles aufgewühlt, aber ich habe dabei gemerkt, wie es leichter wurde.“

Und was anfänglich als Sich-von-der-Seele-schreiben begann und nur für die Familie bestimmt war, ist heute im Buchhandel erhältlich. „Der Gedanke einer Veröffentlichung kam von Freunden“, erinnert sich Preuß. Zudem dürften Depressionen – auch Tilo litt an dieser Krankheit – und Suizid nicht verschwiegen werden, findet die Graal-Müritzerin. Ausschlaggebend für ihre Entscheidung sei aber letztendlich ein Erlebnis gewesen, in dem ihr Tilo die Botschaft zukommen ließ, es zu machen. „Und das war dann Gesetz für mich, mein Auftrag“, erzählt Preuß.

Der Tag, an dem sie die Erinnerungen an ihren Sohn als gedrucktes Buch in den Händen hielt, war für die Graal-Müritzerin ein toller. „Da flossen Tränen. Ich hab in diesem Moment an meinen Sohn gedacht und ihm ein Danke zugerufen.“ Ein Exemplar hat die 71-Jährige zu Tilos persönlichen Dingen getan – unter anderem eine alte Aktentasche mit vielen Schriftstücken –, die ihr von ihm geblieben sind und die sie sorgsam in einer Box aufbewahrt. „Als Geschenk für ihn“, so Preuß. Hier hat sie auch die vielen Gedichte entdeckt, die Tilo geschrieben und hinterlassen hat. „Die möchte ich noch veröffentlichen. Denn es wäre tragisch, das alles so schlummern zu lassen.“

Die Resonanz, die Gertrud Preuß bis jetzt erfahren hat, Tilos Geschichte, aber eben auch ihre eigene zu erzählen, sei durchweg positiv. Deshalb gibt die Graal-Müritzerin auch Lesungen. Am 2. Mai ist sie zu Gast im Rostocker Treffpunkt Lesen.

Das Buch: „Die verlorene Seele – der Weg nach Hause. Erfahrungen einer Mutter“ von Gertrud Luise Preuß ist im Noel-Verlag erschienen.

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erstellt am 13.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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