Rostock : Elisabeth-Heim: KTV kämpft weiter

Als so genannte „Landeskrüppelanstalt“ war das Elisabeth-Heim 1907 errichtet worden und wurde später nach einem Umbau zur Orthopädischen Klinik. Seit 13 Jahr steht das Haus leer.
Als so genannte „Landeskrüppelanstalt“ war das Elisabeth-Heim 1907 errichtet worden und wurde später nach einem Umbau zur Orthopädischen Klinik. Seit 13 Jahr steht das Haus leer.

Der Ortsbeirat will Rotbuchen in der Ulmenstraße 45 unter Schutz stellen lassen. Der Denkmalantrag zum Gebäude-Ensemble soll offiziell noch laufen. #wirkoennenrichtig

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04. September 2017, 05:00 Uhr

Der Ortsbeirat der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) will zwei Rotbuchen unter Schutz stellen lassen. Damit kämpft er implizit weiter um den Erhalt des historischen Ensembles der ehemaligen Orthopädischen Klinik. Die beiden Bäume sind Bestandteil des Parks auf der Rückseite und „wären durch den Abriss extrem gefährdet“, sagt Matthias Siems (SPD), stellvertretender Vorsitzender. Die Buchen seien „mit großer Wahrscheinlichkeit die ältesten Bäume der KTV“, wendet sich der Beirat an die Grünamtsleiterin Dr. Ute Fischer-Gäde und beantragt gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes den Schutz der Bäume und ihrer Umgebung als Pufferzone. Der Beirat beziehe sich auf die Beurteilung von Prof. Dr. Cordula Loidl-Reisch aus dem Gestaltungsbeirat und die Einschätzung des Verschönerungsvereins.

Der Geschäftsführer des Studentenwerks, Kai Hörig, wusste von dem Antrag noch nichts, als er sein Projekt kürzlich erneut im Ortsbeirat verteidigte.

Neben der Unterschutzstellung der Rotbuchen hat der Beirat noch ein Feuer im Eisen: Er hatte das gesamte Ensemble als Denkmal angezeigt. Und auch wenn sich zwischenzeitig ein Landessprecher negativ geäußert hatte, der Antrag sei formal noch nicht beschieden, so Ortsbeiratsvorsitzende Anette Niemeyer (Aufbruch 09). „Wenn das Gebäude Denkmalensemble wird, können wir unsere Funktionen dort nicht unterbringen“, so Hörig. „Wir sollen/wollen eine Mensa mit 400 Sitzplätzen und 70 Wohnungen schaffen.“ Der Fokus beim Wohnen: ausländische Studenten. Für die sei es auf dem freien Wohnungsmarkt noch schwieriger. Das Budget für die Bau-Maßnahme liege bei 15 Millionen Euro. Das sei zwar schon eine Hausnummer, so Hörig, müsse aber eingehalten werden. „Jeder Euro, den wir mehr bezahlen, wirkt sich unmittelbar auf Essen und Mieten aus.“ 2020 soll der Komplex fertig sein – wenn nichts dazwischen kommt.

Der Ortsbeirat und eine Gruppe von Bürgern, die eine Online-Petition gestartet hatten, würde sich wünschen, dass das Studentenwerk das Gebäude erhält. „Es ist aber in einem katastrophalen Zustand und mit vertretbaren Kosten nicht nutzbar“, sagt Hörig. Es umzubauen, statt abzureißen und ein neues hochzuziehen, würde laut Machbarkeitsstudie mindestens 18 Prozent Mehrkosten bedeuten.

Seit 13 Jahren steht das Gebäude leer. Das Studentenwerk habe es schlicht zerfallen lassen und moniere jetzt, dass es ohne große Kosten nicht zu retten sei – kontern die Abriss-Gegner. „Ich finde es selbst schade, dass es zerfällt“, sagt Hörig. Aber er sei auch erst seit anderthalb Jahren Geschäftsführer des Studentenwerks, könne die Verantwortung dafür nicht übernehmen. „Wir sind bereit, an das Elisabeth-Heim oder auch die Orthopädie zu erinnern, wenn das gewünscht ist“, so Hörig. Eine entsprechende Gestaltung der Fassade oder Schautafeln sei in seinen Augen möglich. Der Ortsbeirat lehnte das Bauvorhaben ab. Der Bauausschuss tagt am Dienstag.

Chronologie

• März 2017: Bauvoranfrage an die Stadt, Abbruchantrag, Ausschreibung, Gestaltungsbeirat

• Mai: Begehung mit Denkmalschutz

• 18. Juli: Abrissgenehmigung

• 7. August: Bauvoranfrage angepasst (10 Wohnheimplätze gestrichen zugunsten des Parks)

• morgen: Bauausschuss tagt

• Oktober: Planungsstart

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