zur Navigation springen

#wirkoennenrichtig heimat : Einkommen entschied über letzte Ruhe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Geschichte in Zahlen: Seit 1780 Sorge für die Beerdigung jener, die in keiner Sterbekasse waren

Folge 604:

604 Reichstaler und 32 Schillinge verausgabte das Armeninstitut Rostock für die Anfertigung von Särgen zwischen dem 1. Juli 1859 und dem 30. Juni 1860. Tatsächlich fanden in diesen zwölf Monaten 193 Beerdigungen statt. Das Institut stellte Verstorbenen, die zu Lebzeiten auf Grund ihrer sozialen Verhältnisse nicht einer Rostocker Sterbekasse angehören konnten, diese kostenlos bereit. Seit etwa 1780 wurde im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin auf verschiedene Weise für die Beerdigung der Armen gesorgt. Herzog Friedrich ordnete an, dass Arme ohne Abhaltung einer Zeremonie zu Grabe getragen werden. Die Hinterbliebenen sollten bei solcher Leichenbestattung allen unnötigen Aufwand vermeiden, sich mit Särgen aus einfachem Tannenholz und mit platten Deckeln begnügen und nicht mehr als vier Leuchter bei der Begleitung gebrauchen. Wie würdevoll dagegen war die Beerdigungskultur gehobener sozialer Schichten, beispielsweise von Akademikern. Adolf Felix Heinrich Posse (1760-1825), der 15 Jahre an der Rostocker Universität wirkte, verfügte für sein Ableben: „Ich wünsche eine akademische Beerdigung, wie ich solche von Göttingen und Rostock, auch selbst hier bis zum Jahr 1810 zu sehen gewohnt war. Diese besteht darin, dass nur die Herren Studenten die sterbliche Hülle eines Lehrers, der sich ihrer Achtung zu erfreuen gehabt und eine lange Lebenszeit zu ihrem Nutzen verwendete, zur letzten Ruhestätte begleiten, und nach vollbrachter Handlung in seiner Wohnung mit einem ihrer Würde angemessenen Frühstück bewirtet werden, bei welcher Gelegenheit sie auch den Toten leben lassen können. Die Leitung zu was und Fackeln wird aber verbeten. Der Sarg soll ein Eichner mit sechs Handhaben sein.“ Bis 1849 wurden in Rostock verstorbene Arme auf einem gesonderten Friedhof oder Friedhofsteil beerdigt. Mit Verordnung vom 6. Juni 1849 standen Armen auf dem Stadtfriedhof Grabstellen wie jedem anderen Bürger zu.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen