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#wirkoennenrichtig : Eine Rostocker Bilderbuchkneipe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Echten seemännischen Charme und ein für die Hansestadt typisches Flair bietet das Lokal Zum alten Hafen.

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2017 | 15:00 Uhr

In der kleinen Kneipe Zum alten Hafen drängen sich wenige Tische und Stühle, insgesamt 28 Plätze. Ein Fischernetz hängt von der Decke. Kugelfische, ein Aalspieß und Seemannsknoten lassen den Besucher an „Der alte Mann und das Meer“ denken. Die Signallichter, die als Tischlampen dienen, leuchten in blau, rot und grün. Besitzerin Heike Henck lebt das maritime, ehrliche Flair der Kneipe. „Hier ist alles echt“, sagt sie. Selbst das ausgestopfte Krokodil.

Dieses Ambiente überzeugte auch das Ehepaar Anelie und Jürgen Schwiedessen aus dem Kölner Umland. „Wir sind für ein paar Tage in Rostock, Wellnessurlaub“, so die Schwiedessens. „Eigentlich wollten wir zu einer anderen Kneipe, sind dann aber für diese hier zurückgekommen“, erzählen die Touristen. Schon von außen habe die Kneipe so einladend gewirkt, dass die Beiden schnell von einem Besuch überzeugt wurden. Auch dem Rostocker Ulrich „Uli“ Zimmermann gefällt die Kneipe. „Seit 1982 bin ich so zwei, drei Mal die Woche auf eine Apfelschorle hier“, sagt Zimmermann. Damals habe ihn die familiäre Atmosphäre des Lokals überzeugt. Über die Jahre habe er hier schon viele nette Abende erlebt. „Mittlerweile gehört Uli schon zur Kneipe dazu“, sagt Besitzerin Henck. Zimmermann sei deshalb nicht mehr ausschließlich Gast, sondern Freund.

„Meine Kundschaft ist ziemlich bunt“, sagt Henck. „Hierher kommen auch viele Touristen und Segler – auch internationale. Ich habe schon Japaner bedient und natürlich viele Skandinavier.“ Alter oder gesellschaftlicher Stand? Im Zum alten Hafen treffen sich alle. „Shanty-singende Studenten, Bauarbeiter, Künstler, Arbeitslose – hier ist alles vertreten.“ Auch viele Angler kämen in ihre Kneipe, denn ihr Mann war Vorsitzender des Anglervereins Nördliche Altstadt gewesen.

2016 starb Detlev Henck. Im Vorflur hängt sein Bild – das Haar windzerzaust, die Angel in der Hand, die aufgeschäumte See im Hintergrund. Mit ihm zusammen hatte Heike Henck das Lokal nach der Wende von ihrer Schwiegermutter übernommen.

Der Familientradition blieben sie treu, auch wenn sie die handgeschriebene Karte um ein paar Speisen erweiterten. „Viele Leute kommen extra zum Essen her“, sagt Henck. Beliebt sei die Fischsuppe. „Hier gibt es nur Hausmannskost – ohne viel Schnick-Schnack“, so Henck. Wie es sich für eine Hafenkneipe gehört, steht viel Fisch auf dem Speiseplan. „Hier aus unserer Ostsee. Frisch zubereitet“, wie Henck bestätigt. Und die Kundschaft honoriert dies: „Hier kann ich gar nichts Verkehrtes wählen“, sagt Claudia Rohde, die häufiger zum Essen herkommt. Und die Bierkarte? „Der Kunde hat die Wahl: Rostocker Hell oder Rostocker Dunkel. Norddeutsch und solide“, so Henck.

Dass in der Hafenkneipe schon vor Hundert Jahren Seemänner ihr Bier bestellten, kann laut Henck durchaus möglich sein. „Die älteste Datierung als Bierhaus ist von 1898“, sagt die Besitzerin und zeigt ein Stadtregister aus dieser Zeit. In der Toilette befindet sich ein Mauerstein des Speichers, an den das Gebäude angebaut wurde. Die Datierung dort, 1827, könnte allerdings auf ein noch früheres Baudatum hindeuten.

Henck, die selbst in der Gastronomie gelernt hat, serviert aber schon seit 41 Jahren. 2001 wurde dem Ehepaar Henck von den Stammkunden sogar eine Urkunde für 25 schöne, gemeinsame Jahre überreicht. Diese ziert nun gerahmt eine Kneipenwand. Die Deko, bestehend aus einem bunten Sammelsurium maritimer Dinge, wurde den Hencks oft von Seefahrern mitgebracht. Auch Heike Hencks Vater, selbst Seemann, steuerte einige Dinge bei – zum Beispiel einen echten Maschinentelegrafen. „Die Kneipe hatte schon immer etwas Altertümliches an sich. Und das will ich beibehalten“, sagt die Besitzerin. „Klein, maritim, familiär – nichts Gekünsteltes“, so fasst Henck ihre Kneipe an der Ecke zusammen.

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