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#wirkoennenrichtig hafen : Eine Lücke, die zu schließen ist

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rollende Fracht als Wachstumstreiber, SOL-Abschied mit Tränen, „Vikingland“ im Mittelmeer, „Vasaland“ fährt Benelux

Tränen standen in den Augen der Crew des Ro/Ro-Fachters „Vasaland“, als sie sich Ende Januar von Rostock verabschiedete. Die Reederei Swedish Orient Line (SOL) hatte Ende vergangenen Jahres den Dienst Rostock – Hanko aufgegeben und damit dem extrem harten Wettbewerb und der Rezession der finnischen Wirtschaft Tribut gezollt. Die „Vikingland“, eines der beiden zuletzt auf der Relation eingesetzten Schiffe, fährt inzwischen in Zeitcharter im Mittelmeer. Die „Vasaland“ wartete im Seehafen Rostock noch im neuen Jahr eine Weile auf ihre Einsatzorder, ehe sie Kurs Antwerpen nahm. Sie geht nun für den Papierproduzenten Stora Enso in den Dienst zwischen Bothnia Bay und den Benelux-Staaten, wie SOL-Chef Ragnar Johansson berichtet.

Seit 2012 betrieben die grün-weißen Frachter der SOL den von Scandlines übernommenen Frachtdienst zwischen Rostock und Hanko – zeitweise sogar bis zu fünf Abfahrten mit drei Schiffen.


Seemannsklub als fester Ankerplatz


Für die vor allem philippinischen Seeleute war der Seemannsklub „Hollfast“ im Rostocker Hafen zu einem festen Ankerplatz geworden. Die Seeleute um die Stewardess Shirley waren hier wiederholt zu Gast, erwarben Telefonkarten, tauschten Devisen und trafen sich zu einem Schnack in gemütlicher Runde beziehungsweise die dienstbaren Geister der Seemannsmission kamen zu ihnen an Bord. Besonders in der Zeit der Ungewissheit, als noch unklar war, wie es weitergeht, teilten sie ihnen ihre Sorgen mit, suchten und fanden dort Halt und Stütze. Und das nicht nur zur Seemannsweihnacht, bei der sie auch mit Päckchen beschert wurden. Bevor die Stunde des Abschieds schlug, baten sie um einen Gottesdienst, den die Diakonin Dorothea Flake dann auch an Bord durchführte. 18 der 20 Besatzungsmitglieder nahmen daran teil und gestalteten ihn aktiv mit – mit Gesang, Lesungen und dem so genannten Agape-Mahl, dem symbolischen Teilen des Brotes, berichtet die Mitarbeiterin der Seemannsmission, die der Crew Trost und Zuversicht für die Zukunft zusprach.

Den Ankerplatz der Seemannsmission kennen auch die Seeleute von Finnlines, die seit Januar 2015 die Linie nach Hanko bedienen – inzwischen viermal wöchentlich und zweimal Helsinki. Mit dem Ausscheiden der Konkurrenz auf der Hanko-Route bleibt nun die mit 2600 Lademetern ein wenig größere „Finnmerchant“ auf der Relation, deren Einsatz zuvor vakant war. Das deutet darauf hin, dass die Güterströme, die bisher über Rostock kamen, nicht abebben und mit dem Wegbleiben von SOL keine Lücke entsteht. Der Korridor Rostock-Finnland war in den letzten Jahren entgegen dem Markttrend sehr stark gewachsen.

Rostock-Port-Geschäftsführer Dr. Gernot Tesch ist überzeugt, dass der Gütertransport aufgrund der verkehrsgeografischer Vorteile und infrastrukturellen Anbindung Rostocks weiter wachsen könnte. Tesch ist guter Hoffnung, dass Finnlines die Tonnage über Rostock voll ausschöpfen wird und nicht neue Wege über Travemünde sucht. Den Passagierverkehr von Rostock nach Helsinki (zeitweise mit Zwischenstopp in Gdynia) hatte Finnlines vor einigen Jahren leider aufgegeben.

Im Ro/Ro-Finnland-Verkehr steht zudem auch Transfennica insbesondere mit den Schiffen „Misana“ und „Misida“ und ihren Papierimporten aus Kotka sowie UPM mit den Papier-Zufuhren durch „Polaris VG“ und „Baltic Bright“ beziehungsweise „Link Star“ von Rauma. Hin und wieder gibt es auch wieder Papierexporte – das sind aber nur Zuladungen für Frachten aus Rauma in die USA.

Der rollende Güterverkehr erweist sich im Rostocker Seehafen als Wachstumstreiber. Bei der rollenden Ladung, den Fähr- und Ro/Ro-Gütern, zog der Umschlag im vorigen Jahr erneut stark an. Insgesamt stieg die Menge um 1,3 Millionen Tonnen auf 16 Millionen Tonnen (plus neun Prozent zum Vorjahr). Der Anteil rollender Fracht am Gesamtumschlag des Seehafens Rostock betrug damit im vergangenen Jahr 60 Prozent. Die Zahl der auf den Fähr- und Ro/Ro-Verbindungen von und nach Nordeuropa beförderten Lkw-Einheiten stieg auf 354 175 und die der Trailer auf 122 352. Nur die Anzahl der beförderten Eisenbahnwaggons von und nach Trelleborg nahm mit 20 358 etwas ab.

An die gute Bilanz des Vorjahres wird, wie der Januar zeigt, auch in diesem Jahr angeknüpft. Wobei vom Januar noch keine Rückschlüsse aufs ganze Jahr zu ziehen wären, betont Tesch.

Mit den neuen Gedser-Fähren – bei der Einweihungsfeier auf der „Copenhagen“ war er gerade dabei – erwartet er aber einen weiteren Wachstumsschub. Auch die Anbindungen ans Hinterland wurden weiter ausgebaut, so hat sich beispielsweise seit Jahresbeginn die Frequenz des kombinierten Verkehrs nach Duisburg von drei auf fünf Abfahrten erhöht.


Mit der „Inselsberg“ fing es 1973 an


Der Ro/Ro-Verkehr war in Rostock im Dezember 1973 mit der „Inselsberg“ nach Finnland begonnen worden. Dienste nach England und Lettland folgten. Fährverkehr vom Rostocker Seehafen gibt es seit 1990 mit dem Start der Europa-Linien nach Gedser. Es folgte 1992 die TT-Line nach Trelleborg. Im Schweden-Verkehr etablierte sich 1994 dann im Seehafen auch Scandlines (damals noch DFO), die ein Jahr später auch mit ihrem seit 1903 in Warnemünde laufenden Gedser-Verkehr in dem Hafen umzog. Im Schwedenverkehr bieten heute die Stena Line, die 2012 die Route von Scandlines übernahm, und TT-Line gemeinsam fünf bis sechs Abfahrten täglich. Im Gedser-Verkehr erfolgen durch Scandlines mit der doppelten Transportkapazität beider Neubauten täglich 21 Abfahrten.


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