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#wirkoennenrichtig heimat : Ein Schmuckstück für Heiligendamm

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde eigens an den Bäderstil angepasst

Die Stadt Bad Doberan verlangte ein Empfangsgebäude, welches der Weißen Stadt am Meer angemessen sein sollte. Das heißt, es sollte nicht der Baustil von Kühlungsborn übernommen werden, sondern ein helles, dem Bäderstil angepasstes Gebäude entstehen. 1934 war der gesamte Umbau abgeschlossen. Auch heute ist das Haus noch als modernes Empfangsgebäude in Nutzung.

Es gab eine großzügige Wartehalle mit Fahrkartenschalter sowie Gepäck- und Expressgutschalter, einen geräumigen Dienstraum mit eingebautem Stellwerk und einen Lagerraum für Frachtgut. In der oberen Etage war eine Dienstwohnung und auf dem Dachboden ein Fremdenzimmer eingerichtet.


Molli wird zum Anziehungspunkt


Das Stellwerk war notwendig, weil sich in Heiligendamm jeweils die Züge aus Bad Doberan und Kühlungsborn kreuzten. Sie kamen sich auf der einspurigen Strecke entgegen, wurden in Heiligendamm auf unterschiedliche Gleise geleitet und konnten in den jeweiligen Spuren ihre Fahrt fortsetzen. Per Stellwerk wurden die Weichen umgelegt, um die sich begegnenden Züge auf die unterschiedlichen Gleise zu bringen. Zuvor war diese Arbeit noch per Hand zu erledigen gewesen. Sowohl die Zugkreuzung und das Stellwerk als auch der Molli waren und sind bei Urlaubern ein begehrtes Foto-Objekt.

Nach der Wende gab es im Reiseverkehr zunächst eine Delle. Im Laufe der Zeit etablierte sich der Molli jedoch als Reisemittel besonders für Familien mit Kindern. Als Dampflokomotive ist sie für Urlauber ein Anziehungspunkt. Die Zahl der Reisenden stieg in der Folge stetig. Der Warteraum wurde in ein nettes Café umgebaut, im Sommer stehen auch vor dem Gebäude Tische und Stühle.


Abschnitt diente der Ausbildung


1950 wurde die Strecke Bad Doberan – Kühlungsborn-West zur Ausbildungsstrecke für den Nachwuchs der Deutschen Reichsbahn entwickelt. Die Ausbildung nach der Lehrzeit als Aspirant für ein Jahr wurde hier absolviert. Auch der Bahnhof Heiligendamm war einbezogen. Von 1951 bis 1952 war auch ich dort einbezogen, als Lehrausbilder blieb ich ein Jahr länger.

Die obere Etage war Unterkunft für die Aspiranten. 1957 gab es bei der Deutschen Reichbahn andere Ausbildungswege, der Bahnhof Heiligendamm fand wieder zur Normalität zurück. Der Güterverkehr auf der Kleinbahn wurde Anfang der 60er-Jahre völlig eingestellt. Das Ladegleis wurde danach abgerissen. 2004 wurde das Empfangsgebäude vollständig saniert. Und in diesem Zustand befindet es sich auch heute noch.

Unser Autor Hans-Georg Tack (84) war 50 Jahre Eisenbahner.

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erstellt am 18.Apr.2017 | 15:00 Uhr

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