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Rostock : Ein neues Bein für Storch Fridolin

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Unternehmer Ralph Scharpenberg unterstützt den Zoo mit der orthopädietechnischen Versorgung des Adebars. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Neugierig stakst Fridolin durch sein Gehege im Rostocker Zoo. Immer wieder bleibt der Weißstorch stehen, hebt ein Bein, setzt es vorsichtig ab und geht weiter. Nur bei genauem Hinsehen fällt auf, dass sich die Gliedmaßen des Adebars unterscheiden. Sein linkes Bein ist eine Prothese.

Erste Hilfe erhielt Fridolin noch in Sachsen-Anhalt. Dort hatten Tierfreunde ihn vor mehr als einem Jahr gefunden – in der Nähe einer Stromleitung, gegen die er offenbar geflogen war. Beim Unfall sind seine linken Gliedmaßen so stark verletzt worden, dass Tierärzte amputieren mussten. „Fridolin wurde dann im Storchenhof aufgepäppelt und durch unsere Kollegen von TOC Magdeburg mit einer Prothese versorgt“, erzählt Ralph Scharpenberg aus Rostock, der mit dem Umzug des Tieres die orthopädietechnische Versorgung übernahm.

Einen Storch mit Prothese zu pflegen, sei enormer Aufwand, eine Auswilderung nahezu ausgeschlossen. So kam es, dass auf der Suche nach einem neuen Quartier für Fridolin der Rostocker Zoo angerufen wurde – und ein Herz bewies. „Artenschutz gehört ja zu unseren Aufgaben. In zehn Jahren haben wir gut 80 Störche aufgepäppelt und – sofern möglich – wieder ausgewildert“, sagt Tierpflege-Chef Thomas Holst.

Seit Anfang August wohnt Fridolin nun im Zoo. Gleich nach seiner Ankunft kam es zum ersten Treffen mit dem erfahrenen Orthopädietechniker. „Wir haben uns gern bereit erklärt, unentgeltlich die Versorgung zu übernehmen“, sagt Scharpenberg. Und der Firmeninhaber tut noch viel mehr, hat zum Beispiel die vorhandene Prothese und das Ersatzexemplar jeweils mit einem Rollgelenk samt beweglichem Fuß optimiert. Außerdem will er ein neues, wetterfestes Socket als Schutz für den Stumpf des Tieres anfertigen. „Als wir für die Abformung vorbeikamen, war Fridolin ganz entspannt. Deshalb ist ein super Abdruck entstanden, aus dem gleichen Silikon, wie es auch Zahnärzte verwenden“, sagt der 52-Jährige. Für ihn war es nicht die erste tierische Prothese. „Wir haben auch schon eine für einen Hund gemacht.“

Die Herausforderung bei Fridolin lag in der Größe: „Das Prinzip ist das gleiche wie bei einer Knie Ex-Amputation, aber in extrem winzig. Die ganze Prothese wiegt nicht einmal 40 Gramm und ist aus Glasfaser, der Fuß aus einer Art Schaumstoff“, so Scharpenberg. Um dem Tier einen möglichst natürlichen Bewegungsablauf zu ermöglichen, holte sich der Orthopädietechniker Tipps von den Pflegern. „Das ist bei Tierprothesen immer ratsam, denn Sehnen und Muskeln sind anders, außerdem schwitzen manche Tiere nicht – all das ist bei der Herstellung mit zu beachten.“

Immer wieder schaut Ralph Scharpenberg bei seinem Schützling im Zoo vorbei und bespricht mit Veterinär-Assistentin Emily Schreiber und Tierpflegerin Freya Pösger, was sie beachten müssen. „Ein- bis zweimal die Woche müssen wir die Prothese abnehmen, säubern und den Stumpf desinfizieren“, sagt Schreiber. Sie freut sich, wie gut Fridolin seine Prothese und das neue Zuhause annimmt. „Ziel ist es, ihn in die große Anlage zu integrieren.“ Dank der guten Pflege vom Zoo und der Orthopädie-Technik Scharpenberg müssen die Besucher dann aber zweimal hinschauen, um zu merken, welcher der Störche der mit dem Kunst-Bein ist.

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