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Bauprojekt Rostock : Droht Warnemünde der Kreuzfahrt-Kollaps?

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Weitere Liegeplätze für Kreuzliner, Gewerbe oder beides: Entwürfe für den Umbau des Werftbeckens sorgen für Diskussionen. Bürgerschaft muss entscheiden. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Braucht das Ostseebad noch einen weiteren Liegeplatz für gigantische Kreuzfahrtschiffe oder soll das historisch bedeutsame Werftbecken wieder seinem ursprünglichen Zweck dienen, dem Gewerbe? Über die Zukunft des Werftbeckens haben Stadtplaner, -konservatoren und Gutachter gestern im Technologiezentrum mit mehr als 70 Einwohnern und interessierten Bürgern diskutiert.

„Wir haben die drei verschiedenen Varianten eingehend geprüft. Aus stadtplanerischer Sicht ist die Mehrzweckvariante die sinnvollste“, sagt Torsten Retzlaff, Geschäftsführender Direktor von Inros Lackner. Neben einer rein gewerblichen Nutzung oder der als Kreuzfahrthafen, sei auch eine gemischte denkbar. Die kostet im Gegensatz zur rein gewerblichen Umwidmung für knapp 50 Millionen Euro   mit 69 Millionen fast so viel wie die 72 Millionen-Kreuzfahrtvariante. Sie lasse sich aber städtebaulich besser integrieren, diene gleichzeitig der Erweiterung des Kreuzfahrthafens ohne nur saisonal nutzbar zu sein und biete Möglichkeiten der Ansiedlung wasserbezogenen Gewerbes, so Retzlaff. Zudem würde es für Variante drei die höchsten Zuschüsse vom Land geben.

Für 4,8 Millionen Euro hatte die Stadt die etwa 16 Hektar große Fläche Ende letzten Jahres gekauft. Doch darüber, was mit ihr passieren soll, scheiden sich die Geister. „Was für Gewerbe soll denn da hin? Gibt es überhaupt Anfragen  für diesen Standort“, fragt Bürgerschaftsmitglied Erhard Sauter (SPD). Die Planer stünden in enger Zusammenarbeit mit Rostock Business, die mehrere Anfragen auf dem Tisch hätten, so Retzlaff. Auch der Sorge, dem  Ostseebad könne bei potenzieller Verlängerung des Kreuzfahrtkais ein Kreuzfahrt-Kollaps drohen, nimmt die Stadtverwaltung den Wind aus den Segeln: „Es werden dadurch nicht mehr Schiffe kommen, sie werden nur anders verteilt“, unterstreicht Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Den aktuellen Plänen entsprechend werde der neue Liegeplatz maximal 350 Meter lang werden. Auch sei durch eine Erweiterung ein sauberer, schadstoffärmerer Kreuzfahrttourismus in Warnemünde möglich, so Ruhnke.

Ob das Werftbecken künftig nur Heimat für Gewerbe, Anlegestelle für Kreuzfahrer oder Mehrzweckgebiet werden soll, darüber entscheidet im ersten Schritt die Bürgerschaft. „Wir wollen im April die Vorlage zum Entwicklungskonzept Werftbecken abstimmen lassen“, sagt Stadtplanerin Anja Epper. Anschließend könnten Plan- und Genehmigungsverfahren eingeleitet werden. Bei optimalem Ablauf sei anvisiert, 2020 ins Bebauungsplanverfahren zu gehen und 2022 die  Maßnahme zu beginnen.

Insgesamt soll sich das Konzept Werftbecken mit dem B-Plan zur Mittelmole und der Verträglichkeitsuntersuchung zur Kreuzschifffahrt in einen gesamtheitlichen „Masterplan Warnemünde“ einordnen, so Anja Epper.

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