Theater Rostock : Dornröschen schläft sich in die Moderne

Das Dornröschen gibt Anja Willutzki in der Bühne 602.
Das Dornröschen gibt Anja Willutzki in der Bühne 602.

Christoph Gottschalch inszeniert Grimms Märchen für die Bühne 602, wie er es als Kind gern gesehen hätte #wirkoennenrichtig

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29. November 2017, 08:00 Uhr

Zum Geburtstag der Prinzessin Aurora sind die guten Feen des Königreichs eingeladen, um sie reich zu beschenken: Die Geschichte von Dornröschen gibt die Compagnie de Comédie in diesem Winter als Weihnachtsmärchen in der Bühne 602. Bei seiner Inszenierung hat Christoph Gottschalch sich im Kern nah an der Botschaft gehalten, sagt er, doch habe er die Chance genutzt, etwas zu ändern.

„Einiges hat mich schon als Kind irritiert“, so Gottschalch. „Zum Beispiel, dass der König die dreizehnte Fee nicht einlädt, weil er einen goldenen Teller zu wenig hat . Ich meine, es ist ein König.“

Ein sogar 300-jähriger Schlaf ist die Folge für Dornröschen und den gesamten Hofstaat. Dass danach alles so geblieben sein soll wie zuvor, kann der Regisseur nicht mit sich vereinbaren. „Nur weil alle im Schloss schlafen, dreht sich die Zeit ja trotzdem weiter. Der Prinz will also ein Mädchen wachküssen, das ein Kleid trägt, was seine Großmutter anziehen würde“, lacht Gottschalch. Also wird sein Dornröschen flugs in die Moderne katapultiert.

Der Prinz macht Selfies im Schloss und sucht verzweifelt Strom für sein Smartphone. Aber auch die schlafende Schönheit ist moderner und emanzipiert, denn sie will nicht den Prinzen heiraten, sondern lieber den Küchenjungen, den sie von Kindertagen an kennt – eine Kritik an der Gesellschaft, aber auch am Umgang mit moderner Technik: „Warum geht man ans Handy, während man Dornröschen wachküsst“, fragt Gottschalch. Diese Botschaft sei auch zu den jüngeren Zuschauern durchgedrungen, die gefragt hätten, warum der Prinz ein Handy habe, wenn die im Theater untersagt seien.

Das Schwierigste an der Inszenierung seines neunten Weihnachtsmärchens sei es gewesen, die Geschichte mit nur vier Schauspielern – Andreas Schulz, Anja Willutzki, Sven Lange und Andrea Stache-Peters – umzusetzen. „Aber bei einer Neuinszenierung kann ich alles so konzipieren, dass es passt“, sagt der 48-Jährige. Mit einem tollen Ensemble sei es ihm gelungen.

Um das Stück auch für ein junges Publikum passend zu machen, versuche er, sein inneres Kind anzusprechen. Er wolle das junge Publikum lieber über- statt unterfordern – „es sollte mehr als nur bunt, laut und lustig sein“, sagt Gottschalch. Überaus dankbar sei er für die „großartige Ausstattung von Fridtjof Busse und die Musik von Matthias Kaye“, so der Regisseur.

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