Unternehmertag : Digitalisierung fordert Firmen

Die Geschäftsführerinnen der Unternehmerverbände Schwerin und Rostock – Pamela Buggenhagen (l.) und Manuela Balan – unterstützen Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung. Fotos: Nicole Pätzold
Die Geschäftsführerinnen der Unternehmerverbände Schwerin und Rostock – Pamela Buggenhagen (l.) und Manuela Balan – unterstützen Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung. Foto: Nicole Pätzold

Unternehmertag zu Industrie 4.0: Referenten erklären Chancen durch Telemedizin und große Gefahren durch erhöhte Angreifbarkeit #wirkoennenrichtig

svz.de von
22. April 2017, 05:00 Uhr

Digitalisierung, Industrie 4.0 – was für viele eine semantische Hülle ist, ist für die Unternehmer in Rostock und im Land eine reale Herausforderung, auch für ihre Marktfähigkeit. Die Unternehmerverbände Rostock und Schwerin haben daher ihren gestrigen gemeinsamen Unternehmertag im Warnemünder Hotel Neptun unter diese Titel gestellt und mit Fachreferenten und Diskussionsrunden analysiert, was sich dahinter verbirgt.

„Wenn wir über Digitalisierung sprechen, dann sprechen wir über etwas, das längst begonnen hat“, sagt Frank Haacker, der Präsident des Unternehmerverbandes Rostock-Mittleres Mecklenburg. In dieser Realität sind auch viele Unternehmen längst angekommen, aber erst am Anfang einer enormen Wende.

Die Dussmann Service Deutschland GmbH, die es seit mehr als 50 Jahren gibt, ist in den Bereichen Catering, Sicherheitsdienst, Gebäudetechnik und Gebäudereinigung tätig. Sie hat Niederlassungen in Rostock, Schwerin, Stralsund oder auch Neubrandenburg und weltweit 60 000 Mitarbeiter, sagt der Rostocker Niederlassungsleiter Patrick Bischoff. Digitalisierung bedeute für die Firma die Verschlankung vieler Prozesse und damit auch Reduktion von Arbeitsplätzen. „Wir müssen uns fragen, was wollen wir, dass Maschinen es übernehmen.“ Dass Reinigungskräfte die Gebäudereinigung per PC steuern, das werde der Trend der Zukunft, ist er sicher.

Beim Rostocker Sanitätshaus Reich und Rathmann, das seit 23 Jahren auf dem Markt ist, macht Digitalisierung etwa zehn Prozent aus, schätzt Chef Michael Reich. Vor sieben Jahren hat das 28-köpfige Team begonnen, 2D-Fuß- und 3D-Körperscanner anzuschaffen, manche Leisten für Schuhe werden im Fräszentrum angefertigt, die Daten dafür nur übermittelt. „Aber das Handwerk hat nach wie vor einen hohen Stellenwert“, sagt Kathleen Reich, die in der Geschäftsführung assistiert.

Und auch Unternehmerverbandspräsident Haacker betont: Alles, was technisch möglich ist, müsse nicht Realität werden. Nur sollten sich gerade kleinere Unternehmen vor der Digitalisierung nicht verschließen.

Sie birgt Risiken, wie den Druck mitzuhalten, und Chancen, etwa über Telemedizin ländliche Regionen wieder attraktiver zu machen, sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Die digitale Zukunft sei mehr als nur die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Das stützte Jobst Hagedorn von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft. Tinder, Hotels online buchen, Roboter bei der Bundeswehr, Pokemon Go, smarte Mülltonnen in Barcelona, Busse aus dem 3D-Drucker, Fitnessarmbänder, selbstfahrende Autos – all das sei Digitalisierung und die freundliche Siri, die aus dem I-Phone spricht, auch bereits künstliche Intelligenz. „Gucken Sie von da aus, was Sie brauchen und nicht, was Ihre Tochter sagt, dass Sie brauchen“, riet Hagedorn. Mit einem Smartphone ließe sich eine ganze Firma steuern, doch die zunehmend alltägliche Bequemlichkeit habe auch Risiken. „Alles, was digitalisiert wird, kann auch angegriffen werden“ – von der Firma bis zur Stromversorgung einer Stadt. „Vielleicht brauchen wir doch ein Digitalministerium“, sinnierte er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen