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Bedrohung : Die EU will Rostocks Luigi ans Fell

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Waschbären, Schmuckschildkröten oder auch exotische Pflanzen gelten als invasive Arten. Verbot für Zoos könnte sogar Keulung bedeuten #wirkoennenrichtig

von
erstellt am 07.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Mit einer Verordnung zu invasiven Pflanzen- und Tierarten will die Europäische Kommission die heimische Natur schützen. Das trifft nicht nur Tiere in der freien Wildbahn oder Tierhalter, sondern auch Zoos wie den Rostocker – und dessen Waschbären. Die und 36 weitere Arten würden die heimische Artenvielfalt und Biodiversität bedrohen, indem sie andere Arten verdrängen, so die Kommission. Die EU-Staaten, also auch Deutschland, sollen die Ausbreitung stoppen.

„Die Regelung trifft uns sehr hart, weil es darauf hinauslaufen würde, dass Haltung, Zucht und Handel dieser Arten verboten ist“, sagt die Kuratorin des Rostocker Zoos Antje Zimmermann. Vier männliche und zwei weibliche Waschbären leben vor Ort – fünf bei den Fischottern und Publikumsliebling Luigi im Vogelhaus. Auch andere Tiere im Zoo gelten als invasive Arten: ein Muntjak-Pärchen (eine kleine Hirschart) und ihr Junges sowie die Nasenbären – ein Männchen und drei Weibchen im Südamerika-Haus.

Schon seit Sommer 2017 ist die Liste theoretisch bindend. Noch hält sich der Zoo aber praktisch in einer Grauzone auf: Die Gesetzeslage ist undurchsichtig. Es gibt in Deutschland noch keine klar zuständigen Behörden, keine Durchführungsverordnungen und keine Kontrollmechanismen. Bisher gibt es nur einen Entwurf der Regierung. „Es ist für uns sehr schwierig, damit umzugehen“, sagt Zimmermann.

In einem Jahr werde es ernst: Dann soll die Regelung greifen. Neben einem Fortpflanzungsverbot scheint auch die Auflage, Tiere zu töten, nicht ausgeschlossen – auch in Zoos. „Wir halten das für den falschen Weg“, sagt Zimmermann. Zoos könnten eine positive Rolle spielen. Die Rostocker stimmen sich mit dem Landesamt für Naturschutz in MV und dem Verband der Zoologischen Gärten ab. „Wir möchten um Ausnahmeregelungen kämpfen“, sagt Zimmermann. Der Zoo würde als außerschulischer Lernort über invasive Arten berichten, wie sie eingeführt wurden, wie sie die heimische Pflanzen- und Tierwelt beeinflussen können. Das Landesamt MV soll, wie die der anderen Länder, einen Plan erstellen, wie die Ausbreitung einer Art – hier der Schmuckschildkröte – eingedämmt wird. Der Zoo will sich anbieten, dass die beliebten Haustiere in Rostock abgegeben werden können und dort artgerecht bis zu ihrem Lebensende bleiben. „Dafür wollen wir aber auch unsere Tiere behalten und eventuell weiter züchten“, sagt Zimmermann.

 

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