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#wirkoennenrichtig hafen : Die Erinnerung lebt weiter

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

65 Jahre DSR und noch ein maritimer Meilenstein. Zeitzeugen über die Entwicklung der heimischen Handelsflotte.Treffen zum Jubiläum

Von den maritimen Meilensteinen in diesem Jahr ist einer besonders markant: die Gründung der Deutschen Seereederei (DSR) am 1. Juli vor 65 Jahren. Der Rostocker Seeleute-Verein will aus diesem Anlass am 30. September ein Treffen auf dem Traditionsschiff, dem einstigen DSR-Frachter „Dresden“, durchführen. Das Motto: „Die DSR geht in Rente“. Am 26. Oktober wird dann auch der Verein der Schiffsingenieure seinen Treff Schiffsbetriebstechniker diesem Jubiläum widmen, wie der Schiffsingenieur und Chronist Heinz-Jürgen (Atze) Marnau betont, der auf die Veranstaltungen aufmerksam macht. Sein Thema: „Die Schiffstechnik in der Deutschen Seereederei Rostock“.

Die DSR als fahrende Flotte gibt es zwar nicht mehr, aber die Erinnerung lebt. Bereits vor den Veranstaltungen in Rostock lädt der Freiberger DSR-Seeleute-Verein am 23. und 24. Juni wieder nach Reinsberg in Sachsen zum inzwischen schon 51. Treffen ein. Wie eine große Familie finden sich die alten DSR-Fahrensleute hier mit ihren Angehörigen traditionell zusammen – im vergangenen Jahr waren es wieder 650. Da werden alte Bordgeschichten ausgetauscht und auch in Buchform vorgelegt, ist ein buntes Programm zu erleben, werden gemeinsam Ausflüge unternommen – in diesem Jahr zum Weingut Schloss Wackerbarth und zum sächsischen Kneipenviertel Altkötzschenbroda.

Die Vorkehrungen zu all diesen Jubiläumsaktivitäten sind in vollem Gange. So berichtet der Rostocker Kapitän Hans-Hermann Diestel, dass er bis zum Rostocker Treffen eine Veröffentlichung zum Thema „Die DSR im Kalten Krieg“ ansteuert. Und dann sind da auch noch die Bordfeste, zu denen sich Besatzungsmitglieder einzelner Schiffe wiederholt zusammenfinden. So gibt es vom 25. bis 28. Mai in Bentwisch wieder ein Treffen der „Aue“-Fahrer – inzwischen bereits zum 20. Mal, wie Organisator Heinz Liebscher aus Chemnitz informiert. Auch auf der NNN-Seeseite wird an den Werdegang der Flotte unter der blau-rot-blauen Flagge erinnert, die mit dem Dampfer „Vorwärts“ einst begann und die in der Blütezeit mehr als 200 Schiffe zählte.

Atze Marnau hat den NNN dafür einige seiner Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt, Erinnerungen weiterer Zeitzeugen sind willkommen. „Wir sind die Generation, die noch aus eigenem Erleben über die DSR berichten kann – ein Unternehmen, das viele von uns beruflich geformt hat“, erklärt der 81-jährige Rostocker. 1954 begann er als Trimmer auf dem Dampfer „Wismar“ seine seemännische Laufbahn, mit 27 Jahren war er bereits leitender Ingenieur (Chief) eines DSR-Frachters.

Am 3. Juni 1993 war die einstige Staatsreederei privatisiert worden – die Frachtschifffahrt ging an die Reederei F. Laeisz, die vom Rostocker Haus der Schifffahrt weiter die Bereederung und die Stabsabteilungen unterhält, ihr technisches Management, Crewing und Operation steuert. Die Deutsche Seereederei wiederum baute die Hotel- und Immobiliensparte aus und entwickelte auch die Passagierschifffahrt, die mit Aida Cruises und Arosa ihre inzwischen eigenständige Fortsetzungen fanden.

An die alte DSR erinnert gegenständlich besonders das Traditionsschiff. Die einstige „Dresden“ ist das fünfte Schiffe der legendären Schiffsserie vom Typ IV, der ersten 10 000-Tonner der DDR, die auf der Warnow-Werft Gestalt annahmen. Auch Atze Marnau würde sich freuen, wenn das Traditionsschiff in den Stadthafen verholt und somit noch mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt würde. Der Auftakt der Typ-IV-Serie erfolgte übrigens nach schwerer Geburt mit dem Frachter „Frieden“ am 23. Juni 1957, also vor 60 Jahren – ein weiteres Jubiläum.

Mit all diesen Ereignissen sind die Namen von Rostockern verbunden – sei es der von Gerhard Just, dem Kapitän der Dampfer „Vorwärts“ und „Rostock“, oder der von Kurt Heinrich, dem Warnemünder Objektkonstrukteur der Typ-IV-Serie, um nur zwei Beispiele zu nennen. Nicht nur diese Zeitzeugen sind inzwischen gestorben, die Erinnerung an den Werdegang der maritimen Rostocker Geschichte aber lebt und gilt es zu wahren, was seit geraumer Zeit auch eine Sonderausstellung zum maritimen Rostock auf dem Traditionsschiff veranschaulicht.

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erstellt am 26.Apr.2017 | 15:00 Uhr

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