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#wirkoennenrichtig heimat : Der Rostocker vor 200 Jahren

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostock in Zahlen: Die Macht der Gewohnheit und ein gewisses Phlegma

606... Einwohner wurden nach Stadtarzt Adolf Friedrich Nolde in Rostock innerhalb von zehn Jahren (von 1791 bis 1800) mehr als 70 Jahre alt – für damalige Zeiten und Generationen ein hohes und ehrwürdiges Alter. Innerhalb dieses Zeitraums bildete das Jahr 1800 mit 83 Personen im Alter von mehr als 70 Jahren den Höchststand.

3133 Personen starben in diesen zehn Jahren überhaupt. Etwa jeder siebte oder achte unter den Verstorbenen erreichte in schlechten Jahren die 70, 80 oder gar 90 Jahre und in guten Jahren wurde jeder fünfte Rostocker recht alt. Hundertjährige gab es dagegen nicht.

Durchschnittlich wurden in Rostock um 1800 jährlich 390 Kinder geboren, die Zahl der Verstorbenen belief sich auf 300. Trotz des Überschusses an Menschen war Rostock im Vergleich zu anderen deutschen Städten mit 15 756 Einwohnern per 1803 nur schwach bevölkert.

Was machte nun den typischen Rostocker vor gut 200 Jahren aus, unabhängig davon, ob er ein geringes oder hohes Lebensalter erreichte. Folgen wir der weiteren Beschreibung des Stadtarztes: „Im Gang schwerfällig und langsam, ein Franzose würde über die Wohlbedächtigkeit erstaunen, mit der man hier zu Werke geht. Diese hat aber gewöhnlich einen hinreichenden Grund in einem gewissen Phlegma, dass von der besonderen Organisation der Muskeln und Nerven so sehr abhängt, und diese kann wiederum eben sowohl in einer gewissen angeborenen Trägheit dieser Organe ihren Grund haben, als sie durch ein bequemes und indolentes Leben genährt, oder wohl selbst erzeugt wird“, so schreibt der Arzt.

Und weiter: „Rasche Entschlüsse und eine schnelle Ausführung derselben, die dem südlichen Bewohner Deutschlands so eigen sind, kommen bei dem Rostocker selten vor: hingegen wirket bei uns die Macht der Gewohnheit und des Herkommens desto kräftiger. Es fällt immer außerordentlich schwer, Jemanden aus dem schon so betretenem Gleise herauszubringen, und ihn zu einer raschen Handlung zu bestimmen; und kaum erreicht man seine Absicht, selbst wenn man es versucht, seine schwache Seite zu fassen. Aber was er tut, geschieht mit Nachdruck, Ordnungsmäßigkeit und nach einem gewissen Plan, von dem er selten abweicht. Wie gering die körperliche Erregbarkeit bei ihm ist, sieht man auch unter anderem aus dem großen Gaben von Arzneimitteln, die er ertragen kann, und ohne welche man in Krankheiten selten etwas ausrichtet.“

Nolde bestätigte dann beiden Geschlechtern eine dauerhafte Gesundheit, begünstigt durch das günstige Seeklima. Den Rostocker Frauen bescheinigte er eine Schönheit, die sich nicht unbedingt durch Schlankheit auszeichnet. Die Rostocker „Grazien“ waren eher korpulent.

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