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Baumaßnahmen Rostock : Das wird der Grote Pohl

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bauherr plant neues Viertel für lebenslanges Lernen. Stadtpolitiker kritisieren und loben Einzelaspekte #wirkoennenrichtig

von
erstellt am 15.Jul.2017 | 07:00 Uhr

Die Eusib gGmbH, über eine Muttergesellschaft verbunden mit der Werkstattschule und dem Circus Fantasia, plant mit der Stadtverwaltung ein neues Wohnviertel – ein Ort für lebenslanges Lernen, Wohnen und Erleben mitten im Groten Pohl.

„Wir wollen keine reine Schlafstadt und kein reines Gewerbegebiet“, sagt Projektkoordinatorin Dorothea Reinmuth. Die Eusib selbst wolle „nur“ das Pädagogische Kolleg, die Erweiterung der Werkstattschule, eine Kita, einen festen Standort für den Circus Fantasia und ein inklusives Wohnprojekt im neuen Quartier unterbringen. „Wir haben aber eine Idee, ein Konzept für das ganze Viertel“, sagt Schulvorstand Rainer Pahl. Für die Überlegung, was wie auf den fünf bis sechs Hektar möglich wäre, beauftragten sie das Büro des dänischen Architekten Jan Gehl. Dessen städtebaulichen Entwurf haben Pahl und Reinmuth mit den Ämtern der Hansestadt, etwa dem Stadtplanungsamt, abgestimmt und den Fraktionen vorgestellt.

Rund 800 Wohnungen sollen entstehen, der Autoverkehr aber weitestgehend draußen bleiben. Auf ungenutzten Bahnschienen sollen Waggons als Arbeitsplätze für Künstler untergebracht werden. Dahinter könnten die interkulturellen Gärten Platz finden. „Wir sind da in sehr gutem Kontakt“, sagt Reinmuth. Pahl hofft, dass der B-Plan 2018 stehen könnte. Noch sind auf der Fläche Kleingärten. „Sie beplanen ein sehr großes Gebiet, das ihnen heute nicht gehört und auch nicht gehören soll“, sagt Jan-Hendrik Brincker (CDU) – das sei lobenswert, aber auch waghalsig. Und Parteikollege Helmut Schmidt stimmt ein: „Ich kann diese Wirtschaftskraft bei ihnen nicht erkennen.“ Der Oberbürgermeister soll den Kontakt zu fünf Genossenschaften vermittelt haben, die für das Projekt gewonnen werden sollen, was die CDU-Vertreter endgültig abschreckte. „Warum verteilt man im Vorfeld schon den Pelz, bevor er erlegt ist?“, hinterfragt Brincker. Ganz anders sieht das Andrea Krönert von den Grünen, die dem Projekt unabhängig irgendwelcher Vorgespräche einen Vorzeigecharakter attestiert.

Im Schulausschuss war bereits heftig debattiert worden, ob die Erweiterung der Werkstattschule nicht aus dem Projekt rausgehen müsse, damit dort eine öffentliche Schule Platz fände. Pahl würde das Projekt notfalls auch ohne Werkstattschule weiterführen, allerdings äußert ungern. Bedarf und Nachfrage seien da. „Ich wünsche mir, dass wir zügig zu einer Entscheidung kommen und uns nicht gegenseitig blockieren, was wir ja hier in Rostock besonders gut können“, sagt Krönert.

Eusib sucht schon seit 2009 nach einem Grundstück, wurde von der Verwaltung zwischenzeitig von einer anderen Fläche bei der Mensa abgezogen und in den Groten Pohl verwiesen.

Kommentar von Juliane Hinz:Die Frage nach dem Geld
Es gibt eine Frage, die jede Kreativität im Keim erstickt: die nach dem Geld. Die Idee eines alternativen Viertels, in dem ein Bildungscampus, inklusive Projekte und modernes Wohnen nebeneinander existieren, ist doch zunächst einmal gut. Sie rigoros abzulehnen, nur weil diejenigen, die sie hatten, nicht erschöpfend über die nötigen Mittel zur Umsetzung verfügen, ist falsch. Bei der Überlegung, wie die wenigen innerstädtischen Freiflächen gestaltet werden sollen, müsste der Grundsatz gelten: Alles geht, nichts muss. Verwerfen kann man hinterher immer noch. Menschen mit Visionen sollten aber nicht von vornherein abgekanzelt, sondern viel öfter angehört werden.

 

 

 

 

 

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