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Volkstheater Rostock : Das Theater wird wieder unartiger

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Neue Reihe startet mit Struwwelpeter-Geschichten #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Der Spielplan nimmt Gestalt an, die Zahlen auch. „Das Sinken ist gestoppt“, sagt der stellvertretende Intendant des Volkstheaters Ralph Reichel. Sie seien im Dezember und Januar über dem gewesen, was für den Wirtschaftsplan nötig sei. Mitten in die neue Geradlinigkeit, dieses ruhige Fahrwasser, in das Geschäftsführer Joachim Kümmritz das Theater bringen wollte, stellt Reichel, auch Schauspieldirektor, die Reihe „Die unartigen Kinder“. Rebelliert wird wieder auf der Theaterbühne, statt die ganze Stadt als Bühne dafür zu nutzen.

„Ein spielerischer, leichter Umgang“, etwa zu sagen, „der Kaiser ist doch nackt“ – wie es in „Des Kaisers neue Kleider“ von einem Kind geschieht, sei auch „ein bisschen die Aufgabe“ von Theater. Letzteres Stück schaffte es zum Weihnachtsmärchen, nicht aber an den Startpunkt der Reihe, „auch wenn es gepasst hätte“. Den Auftakt macht am Freitag Struwwelpeter, Heinrich Hoffmanns Geschichtensammlung düsterer Erziehungsmethoden für Kinder, die angebliches Fehlverhalten zeigen. „Wir machen das aber nicht als schwarze Pädagogik“, sagt der Schauspielchef. Im Gegenteil, die Zuschauer erwarte ein skurriler, humorvoller Abend – das frech-groteske Musical „Shockheaded Peter“, wie es die Band Tiger Lillies umsetzte. „Es war in der Londoner Theaterszene totaler Kult“, sagt Reichel.

In Rostock packen es Volker Metzler als Regisseur, Peter Fanger als musikalischer Leiter und Ausstatterin Claudia Charlotte Burchard an, die bösen Buben, mauzenden Katzen, zündelnden Mädels und nervlich geplagten Eltern 35 Masken aufsetzt. An einer Familie werden die klassischen Geschichten des Struwwelpeter unklassisch durchexerziert. Auf der Bühne stehen Bernd Färber, Inga Wolff, Till Demuth, Alexander Wulke, Florian Pabst und Cornelia Wöß. „Es wird ein skurriler Kampf um Erziehung“, sagt Reichel. Moralischer Sieger: das Kind. „Es zu beschneiden, beschädigt es nur. Ein Kind ist keine Hecke“, sagt er.

Die Kultivierung des Unartigen, des Authentischen setzt sich ab 25. Februar in Euripides „Die Bakchen“ um vom Freudengott beseelte zu zügelnde Mädchen fort. Der junge Sören Hornung führt Regie. Am gleichen Abend bringt der erfahrenere Kai Festersen „Antigone“ philosophisch daher. Beides sind Kooperationen mit der Hochschule für Musik und Theater. „Emilia Galotti“ und ihre Sicht auf die Verführung als Gewalt vom Berliner Intendant Kay Wuschek, bildet den Abschluss am 28. April.

Termine für „Shockheaded Peter“: Fr und Sa, sowie am 24. Februar, je um 19.30 Uhr im Großen Haus

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