Traditionsschiff : Das große Tauziehen

Seit den 70er-Jahren liegt das Traditionsschiff mit kurzer Unterbrechung in Schmarl. Am Sonntag entscheiden die Rostocker über eine mögliche Verlegung in den Stadthafen.
Seit den 70er-Jahren liegt das Traditionsschiff mit kurzer Unterbrechung in Schmarl. Am Sonntag entscheiden die Rostocker über eine mögliche Verlegung in den Stadthafen.

Was spricht für, was gegen den Stadthafen beziehungsweise den IGA-Park? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Bürgerentscheid. #wirkoennenrichtig

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19. September 2017, 05:00 Uhr

Am Sonntag entscheiden 173 535 abstimmungsberechtigte Rostocker über den künftigen Liegeplatz des Traditionsschiffs samt Ensemble: IGA-Park oder Stadthafen. Die NNN klären die wichtigsten inhaltlichen Fragen rund um den ersten Bürgerentscheid in der Stadt.

Warum gibt es den Entscheid?

Die Bürgerschaft hat sich 2011 mehrheitlich für den Standort IGA-Park und dessen Entwicklung ausgesprochen. Dieser Beschluss wurden von der Verwaltung blockiert. Der von oben initiierte Bürgerentscheid soll jetzt Klarheit schaffen.

Um welche Objekte geht es?

Die Standortentscheidung betrifft wesentlich mehr als das 157 Meter lange Traditionsschiff. Es geht auch um die Zukunft von Schwimmkran „Langer Heinrich“, Betonschiff „Capella“, Ex-Hebeschiff „1. Mai“ sowie rund 100 Landausstellungsstücken wie Anker oder Propeller. Das Maritime Erlebniszentrum (MEZ) hat die Bürgerschaft hingegen explizit vom Bürgerentscheid entkoppelt.

Was sind Vor- und Nachteile der Standorte?

Als Hauptvorteile des Stadthafens gelten sein touristisches Potenzial, seine zentrale Lage und seine Anbindung an den Nahverkehr. Als Nachteile gelten vor allem der begrenzte Platz, mögliche Parkplatzschwierigkeiten und negative Auswirkungen auf die Hanse Sail.

Als Hauptvorteile des IGA-Parks führen seine Befürworter die bereits ausgebaute Fläche und wegfallende Verlegungskosten an. Als Nachteile gelten die Randlage und die schlechte Anbindung an den Nahverkehr.

Wie teuer wird es und warum?

Laut offiziellem Informationspapier liegen die reinen Verlegungskosten in den Stadthafen bei rund 7,6 Millionen Euro plus X: 2,3 Millionen für das Traditionsschiff, 3,8 Millionen für die restlichen Objekte, bis zu 1,5 Millionen für eine Steganlage rund um das Traditionsschiff sowie ein unbekannter Betrag für die Außenanlagen. Hinzu könnte die Rückzahlung von 750 000 Euro alter Fördermittel für den Ausbau in Schmarl kommen.

Nicht eingerechnet ist das MEZ, das im Stadthafen mit 33 Millionen Euro veranschlagt wird. Mit 6300 Quadratmetern Bruttogeschossfläche wäre es dort fast doppelt so groß wie in Schmarl, wo 3200 Quadratmeter für 16,5 Millionen Euro angesetzt sind. Grund für den Unterschied sind erwartete höhere Besucherzahlen. Auch in Schmarl ist die Höhe der Modernisierungskosten für die Außenanlagen nicht benannt. Weitere Ausgaben entfallen dafür.

Belastbare Zahlen für den künftigen Betrieb gibt es nicht. Allerdings bescheinigt eine Studie des Büros fwi Hamburg dem Stadthafen als Standort eines MEZ mit Traditionsschiff die Chance auf 700 000 Euro Einnahmen pro Jahr, wohingegen der IGA-Park mit 100 000 Euro bezuschusst werden müsse.

Wer sind treibende Kräfte?

Als Befürworter des Stadthafens haben sich der Maritime Rat sowie Oberbürgermeister Roland Methling und sein Wählerbündnis Unabhängige Bürger für Rostock (UFR) hervorgetan. Auf der Gegenseite sind vor allem die Initiative „Tradi bleibt“, hinter der die SPD steckt, die Rostocker Tradischiff-Freunde, IGA-Aufsichtsratschefin Karina Jens (CDU) und Sybille Bachmann, Chefin der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09, aktiv.

Was passiert nach der Entscheidung?

Der Entscheid bindet Bürgerschaft und Verwaltung für zwei Jahre. Beide haben aber versichert, das Ergebnis anzuerkennen. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch für keinen Standort. Auch, wie es am unterlegenen Platz genau weitergeht, ist unklar.

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