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Rostock : Citti wirft 150 Mitarbeiter raus

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Standortschließung wurde gestern auf einer Versammlung mitgeteilt – die Folge: Ärger und Existenzängste bei den Angestellten

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Wut, Trauer und Enttäuschung bestimmten gestern das Gefühlschaos der 150 Citti-Mitarbeiter vor der Betriebsversammlung in Schmarl. „Es ist beschissen“, sagt Babsi, die seit fünf Jahren im Markt arbeitet und nun wie alle anderen plötzlich ohne Job dasteht. Fast von heute auf morgen. Als sie am Dienstag wie gewohnt zur Arbeit kam, erhielt sie die Horrornachricht von der Schließung am Sonnabend. Eine Kollegin fiel vor Entsetzen über die anstehende Arbeitslosigkeit sogar in Ohnmacht. Babsi wäre „am liebsten gleich wieder nach Hause gefahren“. Sie weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.

Die Wut ist groß unter den Mitarbeitern. Und die Verständnislosigkeit. „Ist doch alles beschissen“, sagt Frankie und geht schon, bevor die Versammlung überhaupt anfängt. Die Angestellten werfen der Geschäftsführung in Kiel schlechtes Management vor. „Es kann nicht sein, dass ganze Familien arbeitslos werden. Einige Leute sind seit 20 Jahren dabei“, kritisiert einer der Mitarbeiter. Grund für die Schließung sei die Unwirtschaftlichkeit, hieß es aus dem Unternehmen. Ein Argument, dass bei den Angestellten nur Kopfschütteln auslöst. Sie sehen die wahre Ursache in der mangelnden Investitionsbereitschaft der Geschäftsleitung. „Die Kühlgeräte zum Beispiel bringen nicht mehr die erforderliche Leistung“, sagt Steffen Rex, Angestellter in der Tiefkühlabteilung. Neben den mangelnden Investitionen beklagt er, dass es seit drei Jahren keine Betriebsversammlung mehr gegeben habe. „Mir erscheint es so, als hätte man den Standort Rostock gewollt in den Abgrund gefahren“, so Rex. Während hier gespart worden sei, werde in Lübeck kräftig investiert, erklärt er.

„Die Leute verlieren ihren Job. Das ist eine ernste Lage“, sagt Matthias Baumgart, Landesfachbereichsleiter der Gewerkschaft Verdi. Zwar werde das Unternehmen Kaufland in die Gebäude ziehen, allerdings erst 2018, so Baumgart. Wie genau die Gewerkschaft nun verfahre, könne er noch nicht sagen. „Wir handeln situativ“, erklärt Baumgart. Nun müssen die Angestellten sich rasch nach neuen Beschäftigungen umschauen. „Der Handel ist ein starker Wirtschaftszweig“, sagt Thomas Drenckow, Sprecher der Agentur für Arbeit Rostock. Allerdings warnt Gewerkschafter Baumgart: „Groß- und Einzelhandel sind nicht zu verwechseln.“

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