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Rostock : Chorsänger beenden Jubiläums-Wanderung

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Jugendliche der St.-Johannis-Kantorei Rostock durchqueren zum 40. Mal Mecklenburg #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Einmal im Jahr machen sich zwischen 60 und 90 junge Sänger eine Woche lang auf, um zu Fuß die Dorfkirchen Mecklenburgs zu bereisen und in ihnen zu singen. Nun jährte sich die Singwanderung des Choralchors der St.-Johannis-Kirche zum 40. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums reisten auch etwa 400 teilweise in ganz Deutschland und der Welt verteilt lebende Ehemalige an.

Gegründet 1977 vom damaligen Kantor Hartwig Eschenburg, ist der Choralchor einer der vier Chöre der St.-Johannis-Kantorei. Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren singen unterteilt in die vier Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass große geistliche Werke von Komponisten wie Schütz, Bach oder Distler. Ihr Repertoire umfasst aber auch weniger aufwändige Abendlieder und -choräle. Soweit hat der Chor viel mit anderen geistlichen Jugendchören gemeinsam. Die alljährlich in der ersten Woche der Sommerferien stattfindende Singwanderung jedoch ist einzigartig: Täglich legen die Jugendlichen zwischen 15 und 25 Kilometer zu Fuß zurück und übernachten in Turnhallen, Pfarrhäusern oder auch mal direkt in den Kirchen, die sie abends mit Musik erfüllen. Um Verpflegung, Unterbringung und Bereitstellung eines Auftrittsortes kümmern sich die Gemeinden der jeweiligen Ortschaften.

Der Ursprung des Konzepts liegt in einer Zwickmühle: Als Hartwig Eschenburg den Chor ins Leben rief, sollte den Jugendlichen die Möglichkeit einer Konzertreise gegeben werden. Doch die DDR-Regierung stand kirchlichen Initiativen unwillig gegenüber, eine Ausreise aus dem Ostblock war nur wenigen erlaubt. Eschenburgs Lösung: Wandern, und das im Heimatland Mecklenburg, unter ständiger skeptischer Beobachtung durch Staat und Geheimdienst.

„Mir ist erst im Nachhinein bewusst geworden, was Hartwig Eschenburg damals riskiert hat“, sagt Friedrun Keltsch-Raczka (51), die 1982 und 1983 als Gast dabei war. Obwohl sie damals aus Stuttgart zum Chor gestoßen sei, habe es sich angefühlt, als ob sie schon immer Teil der Gruppe gewesen wäre. Auch Johanna Gernentz, die bei der ersten Singwanderung dabei war, denkt gerne an die Zeit zurück: „Ich kann mich trotz Blasen an den Füßen und vielen Unannehmlichkeiten an nichts erinnern, was wirklich furchtbar war.“

Den Auftakt des Festakts zum Jubiläum bildete das Abschlusskonzert der Wanderung am Freitag in der Nikolaikirche. Bei den anschließenden Veranstaltungen am Wochenende wurde gemeinsam gesungen, gelacht, getanzt und an vergangene Zeiten im Choralchor gedacht.




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