Traditionsschiff in Rostock : Blaue Flotte meldet Bedenken an

Eine Traditionsschiff-Verlegung sehen Dieter, Olaf und Peter Schütt skeptisch.
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Eine Traditionsschiff-Verlegung sehen Dieter, Olaf und Peter Schütt skeptisch.

Fahrgastschiffer sprechen sich gegen eine Verlegung des Traditionsschiffs in den Stadthafen aus und machen Angebot für einen Zwischenstopp am IGA-Areal #wirkoennenrichtig

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18. September 2017, 11:50 Uhr

In Sachen Traditionsschiff melden sich auch Fahrgastschiffer zu Wort. „Das ist ein viel zu großer Koffer an der Stelle, beeinträchtigt die Silhouette der Stadt“, sagt Dieter Schütt (76), Kapitän der „Hansestadt Rostock“. Der Gehlsdorfer, der 1991 die Blaue Flotte aus der Taufe hob, spricht sich gegen eine Verlegung in den Stadthafen aus. Dass das stillgelegte Fährschiff „Trelleborg“ von Oktober 2014 bis August 2015 an der Haedgehalbinsel auflag, habe man seinerzeit als vorübergehende Belebung toleriert. Nicht nur die Anrainer, so seine Erinnerung, seien aber froh gewesen, als die 170 Meter lange Fähre allein der Abgase wegen wieder wegkam. Kleinere Objekte, etwa Traditionssegler, wären dagegen wünschenswert.

Olaf Schütt (54), Kapitän der „Rostocker 7“, macht deutlich, dass der Liegeplatz für das Traditionsschiff im Stadthafen 20 Meter von der Kaikante entfernt geplant sei. Das würde der Schifffahrt, wie er befürchtet, den Weg vorbei weiter einengen. Der 10 000-Tonnen-Frachter habe schließlich seine Ausmaße, würde den Platz von der Kranbrücke bis zu den Petersdorfer Kränen beanspruchen. Er hätte sich eine Grafik gewünscht, die das veranschaulicht. Und er empfiehlt, dass Interessenten einmal am jetzigen Liegeplatz feststellen sollten, wie viel Platz für das Ensemble von „Langer Heinrich“ bis Museumswerft vonnöten sei.

Peter Schütt (82), der einstige DSR-Kapitän und über Jahre Schiffsführer der „Kasper Ohm“, hat sich auf einer Informationsveranstaltung auch die Meinungen der Befürworter angehört, kann deren Argumentation aber nur teilweise folgen. Schließlich gehe es hier um Millionenbeträge, deren Höhe und nutzbringender Einsatz für ihn auch jetzt noch fragwürdig sei. Wie sein Bruder und sein Sohn fürchtet er, dass ein Stück des Stadthafens wieder eingezäunt wird und möglicherweise Immobilienhaie begehrlich nach Schmarl schauen.

Dass der jetzige Liegeplatz abgelegen sei, so mancher den Weg dahin scheut, bestätigen alle drei. Sie machen unzureichendes Marketing und die schlechte Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel dafür verantwortlich. Karls Erlebnis-Dorf, auch nicht gerade zentral gelegen, habe aber durch den großen Besucherstrom nach Rövershagen gezeigt, was möglich sei. Bei ihren Fahrten auf der Strandlinie vom Stadthafen zum Neuen Strom nach Warnemünde würden sie immer auch auf den Typ-IV-Frachter aufmerksam machen. Wenn nicht nur dort aber nicht einmal die Internet-Anschrift plakativ sichtbar gemacht werde, müsse man sich nicht wundern, wenn Touristen den Weg dahin nicht finden.

Schiffe der Blauen Flotte hatten zeitweise auf Wunsch auch am IGA-Anleger Zwischenstopp gemacht, das aber mangels Resonanz wieder gelassen. Zwar nicht auf allen Touren, aber einmal vormittags und einmal nachmittags würden sie das wunschgemäß wieder in den Fahrplan aufnehmen, so die Fahrgastschiffer.

Die Schifferfamilien Schütt und ihre Blaue Flotte, zu der auch Dieters Sohn Thomas gehört, sind im maritimen Leben der Hansestadt eine wichtige Größe. Sie bedienen nicht nur die Strandlinie, sondern beherbergen seit etlichen Jahren auch die Hafenstammtische.

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