#wirkoennenrichtig Historisch : Bis zu acht Tagen dauerte die Feier

Ein Taufengel ziert die Kirche zu Ziegendorf bei Parchim.
Ein Taufengel ziert die Kirche zu Ziegendorf bei Parchim.

Geschichte in Zahlen: Das „Kindelbier“ schloss sich an die Taufe an

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29. Mai 2017, 15:00 Uhr

617

Im 617. Jahr des 2. Jahrtausends erschien in Rostock eine weitere und erneuerte Hochzeits- und Kindtaufsordnung unter dem Titel „Revidirte Verlöbnis-, Hochzeit-, Kindelbiers und Kleiderordnung“. Vorgänger-Verordnungen gab der Rat 1470, 1583 und 1591 heraus.

Das Kindelbier war die Bezeichnung für die Kindtauffeier. In Rostock war die Ankunft eines Menschen auf der Welt wie andernorts eben mit zahlreichen Traditionen verbunden. Eine Taufe musste in den Kirchspielen der Rostocker Stadtkirchen sozusagen vorbestellt werden. Noch in den letzten Wochen der Schwangerschaft der Frau sprach der Vater deshalb beim Pastor vor, um dafür eine öffentliche „Fürbitte“ zu beantragen. Der Pastor verlas seiner Gemeinde die beantragte Fürbitte von der Kanzel herab, meist im Anschluss an das allgemeine Kirchengebet.

Die christliche Religion gebot es, das Kind nach der Geburt sobald als möglich zu taufen, am besten schon am Tag nach der Geburt, spätestens aber am dritten Tag. Denn vor der Taufe galt das Kind als ein Heide, ohne göttlichen Schutz und den bösen Mächten ausgesetzt.

Mit der kirchlichen Taufhandlung setzten die Feierlichkeiten für die junge Familie ein. Der Taufakt erfolgte im Anschluss an eine Messe. Seit der Reformation hatte der Pastor die Rede nicht mehr in Latein, sondern in der deutschen Sprache zu halten.

Nach einigen Tagen schritt man zur weltlichen Tauffeier im privaten Kreise. Über Jahrhunderte hinweg nannte man dieses Fest das „Kindelbier“. Solche Familienfeiern sollen in Rostock häufig zu „Gastereien“ ausgeufert sein, mit vielen Gästen und tagelanger Dauer, mitunter wie bei den Hochzeiten bis zu acht Tagen wurde ausgiebig gefeiert. Auch auf dem Lande Mecklenburgs lief es nicht anders ab. Fürst Heinrich V. von Mecklenburg (der Friedfertige, 1479-1552) gebot den Bauern im Jahr 1517 bei 60 Mark Strafandrohung, nicht mehr als zwölf Paar Gäste zu den Kindtauffeiern einzuladen.

Eine Reichsordnung von 1548 zu Augsburg erlassen, gebot ebenfalls Maß zu halten und die Anzahl der Gevattern (Taufpaten) auf drei zu beschränken. Je Mehr Paten, je mehr Geschenke, so war man es vordem gewohnt. Nach einer Rostocker Ratsverordnung von 1652 (Revidierte Promotions- und Begräbnisordnung) durfte das Geldgeschenk einen Taler nicht übersteigen.

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