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Uni Rostock : Biologen entdecken neue Wurmart

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wissenschaftler der Universität finden fast zeitgleich Tiere in den Niederlanden, der Ostsee und im Asowschen Meer #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Weltweit entdecken Forscher jedes Jahr rund 15 000 neue Arten, meist Insekten. Der Rostocker Biologe Dr. Andreas Bick und sein internationales Team ergänzen die Liste nun ebenfalls um eine neue Art. Sie haben einen bisher unbekannten Typ des Meeresborstenwurms gefunden – und das fast zeitgleich in der Ostsee, in den Niederlanden und im Asowschen Meer, einem Nebenmeer des Schwarzen Meeres.

Bick entdeckte die etwa zwei Zentimeter großen Tiere gemeinsam mit einem Rostocker Kollegen in Holland. Exemplare von den anderen beiden Fundorten wurden ebenfalls per Post ins Labor der Universität Rostock geschickt. „Keiner weiß, wo die Tiere herkommen“, sagt Bick. „Eine Ausbreitung durch den Schiffsverkehr ist aber wahrscheinlich.“ Noch gibt es keinen Namen für die Würmer. Den dürfen sich die Rostocker Wissenschaftler ausdenken, die dabei auf das plötzliche Erscheinen in den verschiedenen Gewässern Bezug nehmen wollen. Um den Nachweis einer neuen Art zu führen, greifen die Forscher neben äußeren Merkmalen auch auf anatomische und genetische Untersuchungen zurück. Den Analysen der Rostocker Wissenschaftler zufolge gehören die Meeresborstenwürmer aus den drei weit voneinander entfernten Regionen in Europa alle zu einer Art. „Und die ist der Wissenschaft bislang nicht bekannt.“ Es handele sich um so genannte Neozoen. So werden Tierarten bezeichnet, die unbeeinflusst oder beeinflusst durch den Menschen in ein Gebiet gelangt sind, in dem sie ursprünglich nicht beheimatet waren, sich dort aber erfolgreich vermehren.

Handelt es sich um eine neue Art? Das prüft Biologe Andreas Bick.
Handelt es sich um eine neue Art? Das prüft Biologe Andreas Bick. Foto: Julia Tetzke

Bisher tragen die in den beiden Meeren und in den holländischen Flüssen und Kanälen lebenden Würmer verschiedene Namen bereits bekannter Arten. „Das ist falsch“, sagt Bick. Um das zu beweisen, hat er die Tiere in Alkohol konserviert und dann die DNA-Sequenzen untersucht. Im aktuellen Fall sind sie identisch und genau charakterisiert wie etwa ein Barcode auf den Produkten im Baumarkt oder beim Discounter. „Strichcodes, die auf Produktverpackungen zu finden sind, enthalten Informationen zur Ware, beispielsweise deren Artikelidentifikation oder die Abpackungsgröße“, so der Rostocker Biologe. In gleicher Weise können bestimmte Abschnitte, Sequenzen, der Erbsubstanz DNA genutzt werden, um beispielsweise eine Tierart eindeutig zu identifizieren.

Die Entdeckung einer bis dahin unbekannten Art ist ein Höhepunkt für jeden Forscher. Anhand einer kurzen DNA-Sequenz können so fast alle Tierarten auf der Erde identifiziert werden. Mithilfe des molekularen Barcodes ist es möglich, alle Gewebe tierischen Ursprungs wie etwa Muskulatur, Haare, Federn, Fischschuppen, Speichel und alle Lebensstadien wie Eier, Larven oder Puppen mit hoher Wahrscheinlichkeit einem Typen zuzuordnen.


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