#wirkoennenrichtig heimat : „Bebauung vom LSG ist ein Tabubruch“

Über 100 Leute waren zur Versammlung gekommen, die Stephan Porst aus Diedrichshagen geleitet hat.
Über 100 Leute waren zur Versammlung gekommen, die Stephan Porst aus Diedrichshagen geleitet hat.

Über 100 Menschen aus Diedrichshagen und Umgebung protestieren gegen Wohnprojekt im Schutzgebiet

svz.de von
01. April 2017, 15:00 Uhr

Die 100 Stühle im Beratungsraum vom Warnemünder Hof haben für den gestrigen Ansturm nicht gereicht. Eine kurzfristig zusammengekommene Bürgerinitiative um den Diedrichshäger Stephan Porst spricht sich gegen eine Bebauung des Landschaftsschutzgebietes Diedrichshäger Land (LSG) aus. „Wir wollen diesen Tabubruch verhindern“, fordern Porst und andere.

Ortsbeiratsvorsitzender Alexander Prechtel (CDU) spricht in dem Zusammenhang auch von einem „Gefälligkeitsgutachten“ und von einem „Luxusbedürfnis“ für 140 Leute. Er wird am Mittwoch in der Bürgerschaft zu dem Thema sprechen. Ob es Prechtel, Matthias Ehlers vom Umweltausschuss, der Diedrichshäger Uwe Jahnke oder andere sind: Immer wieder taucht die Frage auf, wo das öffentliche Interesse für das Bauvorhaben liegt. Jahnke: „Ich kann das bei 140 hochpreisigen Einfamilienhäusern nicht erkennen.“

Tierschützerin Barbara Linkis vom Verein Tiere in Not wies auf den Artenreichtum im LSG hin, der durch die Bebauung zerstört wird. Die viele Bebauung in der Region führe bereits jetzt zu Veränderungen im Ökosystem, sagte eine Diedrichshägerin, die vom Krötenrückgang sprach. Auch Jürgen Fischer vom Mieterbund war da. „Ja, es wird Wohnraum benötigt in Rostock, aber bezahlbarer. Mit solchen Angeboten nützt man den Rostockern wenig, das ist mehr für Externe“, sagt er. Uwe Jahnke ergänzt: „Früher haben wir gesagt, wir wollen nicht solche Fehler machen wie in Travemünde und auf Fehmarn, jetzt machen wir mit der Bebauung eines Landschaftsschutzgebietes das Gleiche.“

Jurist Peter Winkler von Mohrenfeld warnte vor dem Eingriff in die Natur. Auch er sieht das Kernproblem im „vermeintlich vorgeschobenen öffentlichen Interesse“, von dem nur eine Minderheit profitieren würde. Volker Wirth wies auf die Funktion des Gebietes als wichtiger Luftkorridor für Rostock hin.

Investor Jens Gienapp von der Ostsee-Golf Entwicklungs GmbH war nicht da. Er sagte im Vorfeld: „Die Stadt hat die Verträglichkeit der Entwicklung geprüft und festgestellt, dass eine Entwicklung im Einklang mit Natur möglich ist.“ Seine GmbH will sich an die Vorgaben der Stadt halten und auch Ausgleichsauflagen erfüllen. „Ich kann das mit dem Wohnen für Reiche nicht mehr hören, die Quadratmeterpreise liegen zwischen 200 und 220 Euro“, sagt er.

Die Gegner des Projekts wollen nicht aufgeben und hoffen, unentschlossene Bürgerschaftsmitglieder dafür zu gewinnen, gegen das Bauvorhaben zu stimmen.

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