zur Navigation springen

Neues Wohngebiet Diedrichshagen : Baut Rostock geschützte Gebiete zu?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

In Diedrichshagen sollen 50 Häuser errichtet werden #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 18.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Um der Bevölkerungsprognose bis 2035 entsprechend genug Wohnraum in Rostock bereitstellen zu können, will die Stadt scheinbar eine Sonderregelung für die Bebauung von Landschaftsschutzgebieten (LSG) und besonders wertvollen Böden erreichen. Das hat Chef-Stadtplaner Ralph Müller in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses angedeutet. Anlass war die Diskussion um die mögliche Wohnbebauung des Naturschutzgebiets zwischen Warnemünder Golfplatz und Stolteraer Weg in Diedrichshagen. Dort sollen etwa 50 Einfamilienhäuser entstehen, entwickeln wollen das Areal die Wiro und die Golfanlage GmbH.

Das Gebiet ist im Flächennutzungsplan der Stadt allerdings als LSG gekennzeichnet und darf nach dem Landesbodenschutzgesetz wegen seiner hohen Wertzahl nicht bebaut werden. „Aber wenn es danach geht, können wir in Rostock bald nirgendwo mehr bauen“, sagt Stadtplaner Müller. Grund seien die lehmigen Böden in und um Rostock. Bezüglich des Gebiets in Diedrichshagen stellt er klar: „Natürlich ist das ein sehr sensibler Raum, aber vom Grundsatz her ist es möglich, im LSG zu bauen, wenn der Bedarf nachgewiesen wird.“ So hätten Erhebungen des Instituts Empirica anhand von Zu- und Fortzügen sowie der Nachfrage ergeben, dass ostseenahes Wohnen in Rostock gewünscht wird. Gemäß der Bevölkerungsprognose bis 2035 müssten für die zusätzlichen 25 000 Einwohner Flächen für mehr als 3700 Einfamilienhäuser bereitgestellt werden. „Aber Markgrafenheide und Warnemünde sind voll. Wenn man küstennahes Wohnen will, bleibt nur noch Diedrichshagen“, so Müller.

Dem Prüfauftrag für die Bebauung des Gebiets hat der Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus zugestimmt – im Gegensatz zu dem für Stadtentwicklung und dem Warnemünder Ortsbeirat. „Wenn wir ein Schutzgebiet wegen 50 Wohneinheiten zubauen, wo kommen wir dann hin?“, fragt Beiratschef Alexander Prechtel (CDU). Die Stadt solle nicht nur mehr Wohnraum schaffen, sondern auch bestehenden in seiner Qualität erhalten. So sei Bedarf nicht mit elitären Bedürfnissen gleichzusetzen. Grünen-Vertreterin Andrea Krönert unterstrich: „Es gibt gute Gründe dafür, dass dort ein Schutzgebiet ist. Wir würden uns die Natur ein für alle Mal verbauen.“ Stadtplaner Müller betonte, dass es sich vorerst nur um einen Prüfauftrag handele und nicht sofort gebaut würde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen