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Gesundheitsamt Rostock : Amt steckt in der Bredouille

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Stellen sind unbesetzt, Mitarbeiter überlastet. Bewerber fehlen. Appell an Bürgerschaft und Verwaltungsspitze. #wirkoennenrichtig

von
erstellt am 04.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Die Lage im Gesundheitsamt spitzt sich zu. Es fehlen Ärzte. Darunter leiden die Aufgaben des Amtes, Schuleingangsuntersuchungen oder auch die Ausstellung von Gesundheitszeugnissen für Feuerwehrleute. Die Bewerber sind wenige und scheinen wenig vielversprechend.

Hintergrund für das geringe Interesse an den Stellen im Amt seien die geringe Wertschätzung der Bevölkerung und die vergleichsweise geringe Vergütung, erklärt Leiter Dr. Markus Schwarz. „Der Zustand ist besorgniserregend“, sagt er. Einige Aufgaben könnten kaum noch termingerecht gemacht werden. Er appelliert an Bürgerschaft und Verwaltungsspitze: „Welches Gesundheitsamt wünschen Sie sich 2018/19/20/22? – welche Qualifikationen, Teilzeitärzte?“ Den Vorschlag vom Leiter der städtischen Personalabteilung, Dirk Zierau, Betriebsärzte des Klinikums Südstadt zu Hilfe zu ziehen, bezeichnet Schwarz als „sehr brüchig“. Es sei zwar theoretisch möglich, aber: „Das sind Individualmediziner. Die können auch nicht einfach aus dem sozialmedizinischen Bereich abgezogen werden.“ Sie hätten schließlich auch zu tun. Das sei ein bigotter Verweis.

Ihre Gesundheitszeugnisse müssen sich die Brandschützer aktuell in Wismar, Güstrow, Stralsund oder Schwerin holen. Das sei aufwändig und dreimal so teuer, weil es außerhalb passiert, sagt Schwarz. Entstanden war der Engpass für die Feuerwehr und die damit verbundene Sorge um die Einsetzbarkeit ihrer Leute, weil eine Ärztin des Gesundheitsamtes für längere Zeit ausfiel. Sie wird in Frührente gehen und ihre Stelle zum 1. Juli frei. Die Ausschreibung für diese war aber erst am 27. Februar freigegeben worden, sodass Schwarz fest davon ausgeht, noch niemand neuen zum Sommer zu haben, auch wenn die Entscheidung zur Stellenbesetzung im Hauptausschuss für den 25. April vorgesehen ist.

Aber betroffen ist nicht nur ihr Posten für den Amts- und Sozialmedizinischen Bereich. Es fehlen auch andere Amtsärzte und Kräfte, beziehungsweise werden es bald. „Die, die im Gesundheitsamt arbeiten, sind höheren Alters“, sagt Schwarz, „aber es hat sich so ausdifferenziert, dass ein Nachrückverfahren überhaupt nicht mehr gegeben ist“, sagt Schwarz. Die Bewerber fehlen. Das Ansehen sei gering, der Verdienst etwa in Kliniken höher.

„Für die Stelle eines Psychiaters zeichnet sich eine Anstellung ab“, sagt Schwarz. Der musste allerdings abgeworben werden. Auf die Stelle hatte es aber nur drei Anwärter gegeben. Eine Bewerberin hatte ihr Studium noch nicht abgeschlossen, sich womöglich nur beworben, um ihren Marktwert zu testen. Die beiden anderen waren zwar Ärzte, aber keine Sozialpsychiater und der deutschen Sprache nicht mächtig.

Ein Problem des Gesundheitsamtes sei auch die sekundäre Überlastung der dort Arbeitenden, eben weil Mitarbeiter fehlen. „Wenn wir weitermachen wie bisher, wird uns das richtig auf die Füße fallen“, sagt Schwarz.

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