Ehrenamt : Als Schlichter im Einsatz

Im Amtsgericht Rostock überreicht Richter Tim Freese (l.) Hans-Jürgen Witte die Dankurkunde. Durch seinen Einsatz konnten zahlreiche Verhandlungen vorab vermieden werden.
Im Amtsgericht Rostock überreicht Richter Tim Freese (l.) Hans-Jürgen Witte die Dankurkunde. Durch seinen Einsatz konnten zahlreiche Verhandlungen vorab vermieden werden.

Bad Doberaner Hans-Jürgen Witte wird für seine zehnjährige Tätigkeit als Schiedsmann geehrt #wirkoennenrichtig

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15. Juni 2017, 12:00 Uhr

Sei es die Hecke, die zu hoch wächst, die Geflügelhaltung, die streng riecht oder die Früchte, die auf den fremden Rasen fallen – mit Nachbarstreitigkeiten kennt sich Hans-Jürgen Witte aus. Seit zehn Jahren ist der 78-jährige Pensionär als ehrenamtlicher Schiedsmann für die Stadt Bad Doberan tätig. Nun verabschiedet er sich endgültig in den wohlverdienten Ruhestand. Für die Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste wurde Hans-Jürgen Witte gestern die Diensturkunde der Justizverwaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern verliehen. „Sie haben über lange Jahre die Bürger entlastet, zur Justiz zu kommen, indem sie auf kurzem und kostengünstigem Weg praktikable Lösungen gefunden haben. Bei ihnen geht es darum, wie beiden Parteien am besten geholfen werden kann. Und damit haben sie der Justiz geholfen“, würdigte Richter Tim Freese Wittes Einsatz beim Überreichen der offiziellen Dankurkunde.

„2007 war ich schon Rentner und habe nach einer Aufgabe gesucht“, erinnert sich Witte an seine Beweggründe, Schiedsmann zu werden. Zusammen mit einem Stellvertreter hat es der Bad Doberaner seitdem vor allem mit Nachbarstreitigkeiten zu tun gehabt. „Unsere Aufgabe ist es, beide Parteien zusammenzuführen und eine Schlichtung zu erreichen, damit sie nicht gleich vor Gericht ziehen“, erklärt der 78-Jährige. Etwa 50 Fälle, so schätzt Witte, hat er seitdem auf den Tisch bekommen. „Und in etwa 80 Prozent kam es zu einer Schlichtung“, sagt der scheidende Schiedsmann. Die Bandbreite der Streitigkeiten reichte von Ärgernissen über Äste oder Sträucher, die in Nachbars Garten hängen, über falsche Rechnungen bis hin zu Beleidigungen und Betreten von fremdem Eigentum. „Das Anspruchsdenken ,Ich darf das doch’ findet man überall. Das finde ich nicht gut“, erzählt er.

Wenn Witte einen Fall zugewiesen bekommen hat oder sich die Leute direkt an ihn gewendet haben, „dann habe ich gesagt: versetzt euch doch mal in die Lage des anderen“, verrät der Bad Doberaner, der auch bei anderen Problemen versucht hat, zu helfen. „Man wird gelassener und spricht in aller Ruhe miteinander. Denn das, was oft fehlt, ist Kommunikation“, sagt der Schiedsmann über seine Tätigkeit. „Es hat Spaß gemacht, wenn man eine Einigung erzielt hat. Dann weiß man, dass man es nicht umsonst gemacht hat“, sagt der Renter. „Obwohl ich auch einmal schon vom Hof gejagt wurde“, fügt er lachend hinzu.

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