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Rostock : Allende-Klinik wird abgerissen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach Hausfriedensbruch lässt WG Union Ruine neben Warnow Park beseitigen. Geplantes Hochhaus wegen fehlender Gutachten noch nicht sicher #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Obwohl die Rostocker Wohnungsgenossenschaft (WG) Union noch immer keine Bauerlaubnis für ihr 22-geschossiges Hochhaus auf dem Gelände der ehemaligen Salvador-Allende-Klinik hat, soll die Ruine neben dem Warnow Park jetzt endlich weichen. Hintergrund waren zahlreiche Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und Ruhestörung. Wenn das Okay der Stadtverwaltung kommt, soll die verfallene Poliklinik noch im August beseitigt werden.

„Da war trotz Umzäunung und Wachdienst regelrecht Terror auf der Anlage“, sagt Union-Geschäftsführer Gunnar Przybill. Die Polizei habe das Gelände schon eine Weile beobachtet, bestätigt Sprecherin Dörte Lembke. „Allein von Anfang Mai bis Anfang Juli haben wir 23 angezeigte Sachverhalte registriert. Vor allem wegen Hausfriedensbruch, aber auch Waffendelikte und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz“, so Lembke. Um dem ein Ende zu bereiten – auch zur Sicherheit der Kinder – haben die Unternehmer jetzt den Abriss bei der Stadt angezeigt. Vonseiten des Ordnungsamts gebe es keine Probleme, so Przybill. „Wenn alles klappt, soll es Anfang/Mitte August losgehen. Es wird etwa ein Vierteljahr dauern, wenn nichts dazwischenkommt“, so der Unternehmer.

Ursprünglich hatte die WG Union Abstand davon halten wollen, die Klinik-Ruine auf eigene Kosten abzureißen. Denn wenn ihre Baupläne nicht genehmigt würden, blieben sie auf den etwa 600 000 Euro für den Abriss sitzen, falls sie das 2011 erworbene Grundstück wieder verkaufen müssten. Die Baugenehmigung steht noch bis heute aus, denn die Fläche in direkter Nachbarschaft des Warnow Parks stellt hohe Anforderungen bezüglich des Schall- und Umweltschutzes, so Przybill. „Egal was dort hinkommt, egal wie hoch, es ist einfach schwierig“, sagt Przybill. Noch vor 20 Jahren seien die Bestimmungen nicht so strikt gewesen. Allerdings sei es nicht die Stadtplanung, die ihnen Steine in den Weg lege, so Przybill, sondern die Landesbauordnung. „Denn Wohnungsbau wollen wir alle“, unterstreicht der Unternehmer.

Die bevorzugte Variante der WG Union ist ein 22-geschossiges Hochhaus mit 140 Wohnungen. So könnten die Mieten um die zehn Euro pro Quadratmeter liegen. Auch mehrere, maximal zehn Etagen hohe Gebäude seien laut Przybill denkbar – je nach Ergebnis des Schallschutzgutachtens. „Wir müssen sehen, dass es für alle Seiten wirtschaftlich bleibt. Das schaffen wir definitiv nicht, wenn wir so ein Riesengrundstück mit nur 50 Wohnungen bebauen“, so Przybill. Zudem müssten diese dem Stadtteil gerecht werden. Insgesamt will die WG Union 30 bis 40 Millionen Euro in den Bau in Lütten Klein investieren. Gerade erst seien in der Südstadt 68 Wohnungen fertiggestellt worden, 2018 weitere in Dierkow und Toitenwinkel geplant.

 

Kommentar "Eine Hand wäscht die andere" von Katrin Zimmer

Endlich wird der Schandfleck Lütten Kleins also dem Erdboden gleichgemacht. Seit Jahren steht dort diese verfallene Klinik-Ruine und verschandelt den Stadtteil im Nordwesten. Dass die erst zum echten Brennpunkt werden musste, bevor etwas passiert, hätte zwar nicht sein müssen. Verständlich ist aber auch die Haltung der Investoren, die so lange damit gewartet haben. Denn wenn die nach dem jahrelangen Tauziehen doch nicht bauen dürfen und die Klinik-Reste umsonst abgerissen hätten, wäre das zwar ein schönes Geschenk an die Stadt, aber eben nicht wirtschaftlich. Das ist es wiederum  auch nicht, weil die WG Union inzwischen seit sechs Jahren mit der Verwaltung über den Bau verhandelt, weil immer neue Genehmigungen nötig wurden und Gutachten ausstehen. Vielleicht aber wird der Abriss den Stein ins Rollen bringen und die Baupläne dann doch schneller genehmigt als erwartet. Denn Wohnungsbau wollen sie ja alle …
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