zur Navigation springen

Rostock - Lütten Klein : Allende Klinik – die Bagger rollen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

WG Union investiert 600 000 Euro in den Abriss der Ruine. Schadstoffe fachgerecht aussortiert. Bunker birgt Überraschungen. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Stück für Stück arbeiten sich die Bagger voran. Auf dem Gelände der ehemaligen Allende-Poliklinik in Lütten Klein ist viel passiert. Seit September wurde der Abbruch des verfallenen Komplexes vorbereitet – und das zumeist in mühevoller Handarbeit. „Die Baustoffe sind mittlerweile gut sortiert“, erklärt Ralf Waschkawitz, der für den Grundstückseigentümer, die Wohnungsgenossenschaft (WG) Union Rostock, den Fortgang der Arbeiten überwacht.

Laut Ursula Uhlig, Teamleiterin Bau der WG Union, würden rund 600 000 Euro in die Beseitigung der ehemaligen Klinik investiert. Und das, obwohl noch nicht klar sei, ob das Unternehmen auf dem Grundstück die geplante Wohnbebauung mit einer Investition von bis zu 40 Millionen Euro umsetzen könnte. „Die Gespräche mit der Stadt laufen noch“, erklärt die Diplom-Bauingenieurin. Zwei Varianten würden diskutiert: ein 22-Geschosser mit 140 Wohnungen oder mehrere, jeweils maximal zehn Etagen hohe Gebäude. Die Realisierung scheitert bisher noch an den hohen Anforderungen des Schall- und Umweltschutzes, der für das Gelände vis-à-vis des Warnowparks besteht.

Die Abrissarbeiten waren dennoch notwendig geworden, weil es in der Ruine vermehrt zu Hausfriedensbruch und Ruhestörungen gekommen war. Die Großbaustelle würde bis heute deshalb auch nachts bewacht, sagt Ursula Uhlig. Sie freut sich, dass die Maßnahme voll im Zeit- und Kostenplan liegt. Dafür sorgt das Rostocker Entsorgungs-unternehmen Otto Dörner. Zu unerwarteten Überraschungen sei es auf der Baustelle bisher nicht gekommen. „Wir wussten dank eines sehr fundierten Schadstoffgutachtens, was uns vor Ort erwartet“, sagt Abteilungsleiter Norbert Pfeiffer. Zum Schutz der Arbeitnehmer wurde eigens eine Schleuse vor Ort aufgestellt, in der die Bauleute nach getaner Arbeit ihre speziellen Schutzanzüge entsorgen, dann duschen und in ihre private Kleidung wechseln können.

Überall auf dem Gelände liegen bereits große Schuttberge, wurden die Baustoffe „brechergerecht aufgearbeitet“, wie Pfeiffer erklärt. Ein mögliches Sorgenkind der Abbrucharbeiten ist der ehemalige Zivilschutzbunker unter der alten Apotheke. „Davon gibt es keine Zeichnungen, die damalige Geheimhaltung hat offensichtlich gut funktioniert. Deshalb wissen wir nicht, was uns dort erwartet oder wie dick die Wände sind“, erklärt Ursula Uhlig.

Voraussichtlich Ende November werden die großen Brecher auf dem Gelände anrücken, die rund 1000 Tonnen am Tag verarbeiten. Bis Ende Februar hat die Entsorgungsfirma laut Vertrag Zeit, das Grundstück von den Resten der ehemaligen Poliklinik zu beräumen.

 

Kommentar "Bittere Pille" von Claudia Labude-Gericke

Mehr als eine halbe Million Euro sind eine Menge Geld. Sicher hätten die Verantwortlichen der WG Union die Abriss-Summe lieber ausgegeben, wenn sie definitiv  wüssten, dass die auf ihrem Grundstück dann auch bauen und so wieder Geld verdienen können. So aber schwebt über den Baggern die Unsicherheit, ob nicht am Ende ein dickes Minus stehen bleibt. Dass der lang erwartete Abriss der Ruine nun erfolgt, ist nicht nur fürs Stadtbild gut. Schließlich barg das alte Ärztehaus auch Gefahrenpotenzial, vor allem für die Lütten Kleiner Jugendlichen, die sich die Ex-Klinik als Freizeit-Treff ausgesucht hatten.

Sollten die ambitionierten Wohnbaupläne nicht realisiert werden, hätte die WG-Union ein teuer beräumtes, aber leeres Grundstück in einem nachgefragten Rostocker Stadtteil. Und der Bedarf an neuem Wohnraum in der wachsenden Hansestadt wäre immer noch riesig.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen