Naturschauspiel : Ältester Apfelbaum trotzt Zerfall

Der Wildapfelbaum an der Allee von Stubbendorf ist für Peter Hartmann (l.) und Bernd Jennerjahn ein beeindruckendes Beispiel für die Regenerations- und Widerstandsfähigkeit der Natur. Nach dem Sturm brachen vier Äste des Baums ab.  Fotos: Antje Kindler
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Der Wildapfelbaum an der Allee von Stubbendorf ist für Peter Hartmann (l.) und Bernd Jennerjahn ein beeindruckendes Beispiel für die Regenerations- und Widerstandsfähigkeit der Natur. Nach dem Sturm brachen vier Äste des Baums ab. Fotos: Antje Kindler

Stubbendorfer Exemplar wird auf 500 Jahre geschätzt: Nach Sturm 2007 brachen Äste ab, jetzt stehen sie in voller Blüte #wirkoennenrichtig

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16. Mai 2017, 12:00 Uhr

Für Bernd Jennerjahn ist dies ein ganz besonderer Ort. An der Straße zwischen Stubbendorf und Ehmkendorf steht Deutschlands ältester Wildapfelbaum. „Wenn nicht sogar der älteste Europas“, sagt der Rostocker. Sein Alter schätzt der 59-Jährige auf 400 bis 500 Jahre. „Das ist schwer zu bestimmen, denn je älter der Wildapfelbaum wird, desto hohler wird sein Stamm“, erklärt Jennerjahn. Zum Vergleich: Ein Kulturapfelbaum wird etwa 40 bis 50 Jahre alt. Eine weitere Besonderheit dieses betagten Exemplars: 2007 ist der Baum durch einen Sturm in vier Teile zerbrochen. „Das Erstaunliche ist, dass drei von vier Ästen, die abgeknickt sind, scheinbar Wurzeln geschlagen haben und jetzt volle Blüten tragen“, ergänzt Peter Hartmann. Er und Jennerjahn sind Mitglieder der Interessengemeinschaft Dendrologie des Rostocker Zoo-Vereins, die sich für Bäume und den Lebensraum Baum mit all seinen Insekten, Pilzen und Co. interessieren.

„Dass der Apfelbaum immer noch blüht, ist ein beeindruckendes Beispiel für die Regenerations- und Widerstandsfähigkeit der Natur“, erklärt Jennerjahn. Im März ist er auf den Wildapfelbaum aufmerksam geworden. Seitdem fährt er regelmäßig hierher, um sich ein Bild von der Entwicklung des Baumes zu machen. „Ich möchte warten, bis der Baum Früchte trägt und diese dann probieren, wenn sie reif sind“, erklärt der Rostocker. „Bei dem Baum handelt es sich um einen Wildapfelbaum“, weiß Peter Hartmann. „Das heißt, hierbei handelt es sich um eine Urform unserer heutigen Äpfel. Die Früchte sind kleiner, sie werden nur etwa so groß wie ein Tischtennisball, sind sauer und sehr fest“, erklärt der 80-Jährige. Deutschlandweit gibt es nur noch rund 5500 Exemplare des Wildapfels. Bevor die Äste des Baums durch den Sturm abgeknickt wurden, hatte er vermutlich eine Höhe von etwa 10 Metern und einen Stammdurchmesser von rund 4,50 Metern.

Im Juli oder August, so hofft Jennerjahn, kann er die ersten Früchte ernten. Derzeit bewundern er und Hartmann aber noch die verschiedenen Stadien der Blüte: Erst sind sie ballonförmig und pink, aufgeblüht dann fast weiß. „Das ist ein echt tolles Schauspiel und ein kleines Wunder der Natur“, so der 59-Jährige. „Wir hoffen, dass die Menschen achtungsvoll mit solchen Naturresten umgehen“, betont Hartmann. Denn das Beste für den Baum sei, und da sind sich beide Experten einig, ihn sich selbst zu überlassen. „Ihm jetzt noch etwas Gutes tun zu wollen oder die Äste versuchen abzustützen, ist falsch. Der Baum weiß am Besten, was gut für ihn ist“, unterstreicht Jennerjahn, der die Menschen aber auch darüber aufklären möchte, welche Besonderheiten der Natur es hier in der Region gibt.

Ein Ableger vom vermutlich ältesten Wildapfelbaum Europas in Stubbendorf wurde bereits genommen. Dieser wächst seitdem in Gülzow und trug bereits erste Früchte.

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