Schule : Abi up Platt – aber nicht in Rostock

Er schrieb auf Platt und wurde weltberühmt: Fritz Reuter
Er schrieb auf Platt und wurde weltberühmt: Fritz Reuter

Erst sechs Schulen im Land bieten Niederdeutsch als Fach an. Noch kein Standort in der Hansestadt. Material kommt vom Hinstorff-Verlag #wirkoennenrichtig

svz.de von
30. September 2017, 05:00 Uhr

Regionale Sprache und Kultur bewahren, pflegen und wieder beleben – das ist das Ziel des vor knapp einem Jahr beschlossenen Heimatprogramms des Kultusministeriums. Seit Beginn des Schuljahres bieten sechs Schulen im Land das Fach Niederdeutsch an, sogar im Abitur. Wer allerdings in Rostock Platt lernen möchte, sucht vergeblich, denn aus der Hansestadt hat sich keine Einrichtung für den Profilschwerpunkt Niederdeutsch beworben.

„Es gibt einfach keinen Bedarf“, sagt Joachim Hesse, stellvertretender Schulleiter des Christophorusgymnasiums. „Ich kenne vielleicht drei Schüler, die Plattdeutsch sprechen, es ist in der Stadt einfach etwas anderes als auf dem Land“, so Hesse. Auch in Warnemünde soll Platt nicht angeboten werden. „Unser Profil ist international ausgerichtet. Wir führen bilingualen Unterricht in Sprachen durch, die die Schüler später im Beruf nutzen können“, sagt Ecolea-Träger Sven Olsen. Niederdeutsch wolle die Privatschule deshalb auch künftig nicht anbieten – aber eine AG, die sich mit Heimatsprache und -kultur beschäftige, sei denkbar, so Olsen.

An den Gymnasien und Gesamtschulen in Dömitz, Wismar, Crivitz, Stavenhagen und Demmin sowie auf dem Recknitzcampus Laage wird jetzt Platt gesnackt und geprüft. Eine Ausweitung sei laut Ministeriumssprecher Henning Lipski derzeit nicht vorgesehen. Ursprünglich ausgeschrieben waren vier Förderpakete für Schulen, die den Profilschwerpunkt anbieten wollen. „Da jedoch sechs Bewerbungen vorlagen, hat das Ministerium allen die Teilnahme ermöglicht“, so Lipski. Den sechs Profilschulen wird je eine zusätzliche Lehrerstelle zur Verfügung gestellt, zudem erhalten sie Sachmittel in Höhe von 10 000 Euro pro Jahr für Bildungsangebote an der Schule, Theaterbesuche oder Exkursionen.

Grundsätzlich könne jede Schule, die über Kräfte mit entsprechender Lehrbefähigung – für Gymnasien oder Realschulen – verfügt, das Fach anbieten, heißt es aus dem Ministerium. Belegen können Studenten Niederdeutsch an den Universitäten Rostock, Greifswald, Oldenburg, Hamburg und Kiel. Für bereits tätige Lehrkräfte bietet das Land seit März 2017 eine Weiterbildung am Institut für Qualitätsentwicklung an. Die Lehrkräfte erwerben dort einen Abschluss, der als besonderes Einstellungskriterium gilt, so Lipski.

Für die Plattdeutsch-Schüler wird es ähnliche Landeswettbewerbe geben wie Jugend forscht. 2018 starten Kiek achtern Horizont – Liehr Plattdüütsch sowie Kooperationen mit Niederdeutschen Bühnen.

Ein Lichtblick: Zumindest die für den Unterricht verwendeten Lehrbücher stammen aus Rostock. So hat der Hinstorff-Verlag das „Hör- und Lernbuch für das Plattdeutsche“ sowie Prof. Renate Herrmann-Winters Wörterbücher herausgebracht und arbeitet an weiteren Lehrbüchern für die Sekundarstufen I und II.

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