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Hanse-Sail-Chef im Interview : „Wir erfüllen Besucher-Wünsche“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Holger Bellgardt erklärt im Interview, warum die 24. maritime Großveranstaltung so besonders wird

Am Donnerstag beginnt die 24. Hanse Sail. Rund 200 Schiffe haben sich angemeldet, darunter einige Großsegler wie die russische „Sedov“ oder die norwegische „Christian Radich“. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. NNN-Volontärin Josefine Rosse sprach mit Holger Bellgardt, Leiter des Hanse-Sail-Büros.

Worauf können sich die Besucher der 24. Hanse Sail freuen?

Bellgardt: Es gibt viele Großsegler auf der Sail 2014. Das ist durchaus in Rostock keine Seltenheit, aber in dieser Konzentration für mich ein kleines Wunder.

Wie sieht die Zusammensetzung der Flotte aus?

Um mit den Großseglern in Warnemünde anzufangen: Wir haben die beiden russischen Vier-Mast-Barken „Sedov“ und „Krusenstern“. Dass sie gleichzeitig in Rostock sind, ist keine Selbstverständlichkeit und zeugt von der Qualität der Hanse Sail. Die Schiffe sind international umworben und wenn sie alle beide kommen, dann werte ich das als Zeichen, dass wir es in der Vergangenheit verstanden haben, mit diesen Schiffen umzugehen.

Welche Höhepunkte gibt es noch?

Wir haben die „Christian Radich“ da. Ich freue mich darüber, dass dieses Schmuckstück der Schiffbaukunst bei uns zu Gast ist. Die „Gorch Fock“ ist in Warnemünde. Das Vollschiff „Dar Mlodzielzy“ kommt aus dem polnischen Danzig. Die „Stad Amsterdam“ ist da, ein Schiff, das erst zweimal in Rostock war, aber auch die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ liegt im Hafen. Kurzzeitig wird auch das Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“ auf der Sail sein.

Viele der genannten Schiffe machen aufgrund ihres Tiefgangs in Warnemünde fest. Wie ist das platztechnisch realisierbar?

Wir sind in Warnemünde, was die Liegeplätze anbelangt, an der Grenze der Kapazität, weil natürlich auch Kreuzfahrtanläufe zu beachten sind. Durch die positive Entwicklung des Kreuzfahrttourismus in Warnemünde ergibt sich für uns eine unbefriedigende und komplizierte Situation. Der Kreuzfahrer hat auch während der Hanse Sail Vorfahrt, das heißt, wir müssen mit den Großseglern andere Liegeplätze anlaufen – eine logistische Herausforderung. Dankenswerterweise hat die Nordic-Yards-Werft Plätze zur Verfügung gestellt. Dort liegen die Schiffe aber außerhalb des Publikumsbereichs und damit eigentlich hinterm Zaun. Das ist ein bisschen schade. Das trifft in diesem Fall gerade auf „Sedov“ und „Krusenstern“ zu, die aufgrund ihrer Dimensionen eben nicht am Passagierkai festmachen und auch keinen anderen Hafenbereich anlaufen können.

Gibt es für das Problem eine Lösung?

Wir brauchen dringend neue Liegeplätze, gerade für Großschiffe, wenn wir die Veranstaltung weiterentwickeln wollen – und das insbesondere in Warnemünde. Es gibt Bemühungen, dort einen neuen Liegeplatz zu bauen. Den brauchen wir auch. Wie man Kreuzfahrer und die Hanse Sail künftig unter einen Hut bringen will, muss man sich überlegen.

Was passiert, wenn nichts passiert?

Wenn langfristig kein Liegeplatz reserviert werden kann, dann meidet ein großer Windjammer künftig die Hanse Sail. Die Schiffe sind auf der einen Seite interessiert, mit Gästen zu segeln, auf der anderen Seite repräsentieren sie ihre Heimathäfen. Und eine Repräsentation findet im öffentlichen Bereich statt, was bei Nordic Yards eben nur eingeschränkt möglich ist. Und es ist auch schade für viele Besucher, die eine weite Anreise auf sich nehmen, um diese Schiffe zu sehen oder hautnah zu erleben.

Das heißt, „Krusenstern“ und „Sedov“ können zwar Ausfahrten anbieten, aber kein Open Ship?

Ja, weil sie eben auf einem Betriebsgelände liegen und dieses nicht für den allgemeinen Besucherverkehr geöffnet ist. Für die Gäste, die die Törns gebucht haben, haben wir Ausnahmeregelungen mit der Werft vereinbart. Die Schiffe sind also uneingeschränkt für Mitsegler nutzbar und bieten auch noch Mitsegelmöglichkeiten an.

Wie ist die Situation im Stadthafen?

Wir gehen mit vielen Schiffen, auch mit größeren, dorthin. Einer der Stargäste in diesem Jahr wird die „Santa Maria Manuela“ sein, ein Viermast-Schoner aus Portugal. Es ist einfach die Vielfalt der Nationen, die die Sail 2014 so besonders macht.

Wie sieht es mit Konkurrenzveranstaltungen aus?

Die Hanse Sail ist international so weit beachtet, dass andere Veranstaltungen nicht an diesem Wochenende stattfinden. Es ist zum Beispiel ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Tall Ship Races vor dem Hanse-Sail-Wochenende zu Ende gehen, sodass die Schiffe die Möglichkeit haben, einen unmittelbaren Übergang nach Rostock zu finden.

Auf welches Schiff freuen Sie sich ganz besonders?

Auf den kleinsten Star der Hanse Sail, den Schlepper „Nakskov Havn 1“. Das Schiff ist eine Überraschung, zwölf Meter lang und 100 Jahre alt. Es wird von einem Verein betrieben. Ich freue mich aber auch auf die „Tres Hombres“. Der Frachtsegler kommt mit einer Ladung Wein nach Rostock. Das Motto des Schiffes heißt Fair Transport. Da wir ein Fair-Transport-Schiff hier haben, wollen wir vor dem Schiff ein Café errichten, in dem fair gehandelter Kaffee angeboten wird, und damit einen neuen Erlebnisbereich auf 200 Quadratmetern schaffen.

Welche Erlebnisse bietet die Sail?

Natürlich machen wir uns Gedanken, wie wir neue Erlebnisräume schaffen. Das Piratenland und der Bereich „Leben in der Hansezeit“ waren solche Gedanken. In diesem Bereich liegen auch die Koggen. Wir versuchen also, das Veranstaltungsgelände zu strukturieren. Natürlich gibt es auch eine Kirmes, genauso wie es einen Bühnenbereich gibt. Wir wollen die Veranstaltung nicht größer machen, sondern weiter qualitativ hochwertig strukturieren. Wir werden oft kritisiert für das laute schrille Marktgeschehen, das hier aufgebaut ist. Aber wenn dafür keine Nachfrage wäre, würde hier kein Riesenrad stehen. Wir erfüllen die Wünsche der Besucher.

Wann ist die beste Zeit, die Sail zu besuchen?

Wer die Hanse Sail genießen will, sollte überlegen, wann er kommt. Nicht jeder mag die Party am Freitag- oder Sonnabendabend. Wer schlendern möchte, kann sich den Donnerstagabend vornehmen. Die Schiffe sind dann alle eingelaufen und befinden sich im Hafen. Wer Schiffe in Aktion sehen will, sollte nach Warnemünde fahren. Meine Lieblingszeit ist Sonntagabend. Die Schiffe kommen gegen 16 Uhr von den Tagesfahrten zurück. Das ist eigentlich einer der schönsten Momente der Sail, wenn alle Schiffe noch einmal am Pier liegen. Für Familien bauen wir im Bereich des Kabutzenhofs einen Sport- und Spielbereich auf.

Sie erwähnten Probleme bei der Vergabe der Liegeplätze gerade im Bereich Warnemünde. Wie steht es um das Verkehrs- und Sicherheitskonzept?

Wir haben ein ganzes Bündel an Maßnahmen entwickelt. Zum Beispiel wird der Bereich entlang des Stadthafens verkehrsberuhigt. Der Tunnel in Warnemünde wird nur einspurig begehbar sein. Gegenwärtig werden diese Einzelmaßnahmen in einem Logistik- und Sicherheitskonzept zusammengefasst. Seit 1991 haben wir eine sehr friedliche, unproblematische Veranstaltung über die Bühne gekriegt, weil hier Profis am Werk sind, die uns zur Seite stehen. Wir arbeiten auch eng mit dem ÖPNV zusammen. Wir appellieren an die Rostocker, dass sie ihr Auto stehen lassen und auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen. Die S-Bahn fährt alle siebeneinhalb Minuten. Wir sperren am Wochenende den Ortskern in Warnemünde, damit Rettungswagen durchkommen.

Welche Erwartungen stellen Sie an die Sail?

Wir hoffen natürlich auf tolles Wetter und gute Besucherzahlen. Das Wertvollste an der Sail ist ihre Internationalität, dass Grenzen überschritten und Menschen zusammengebracht werden.

Wie geht es künftig weiter?

Wir haben in der Vergangenheit versucht, die Veranstaltung sehr umfangreich zu analysieren. Ein Beispiel: Der Zuschuss, den wir aus kommunalen Mitteln, also von der Tourismuszentrale, bekommen, ist auf dem Niveau von 1991. Damit möchte ich unterstreichen, dass es uns über viele Jahre gelungen ist, die Veranstaltung mit Hilfe von Partnern weiterzuentwickeln. Dennoch ist die Unterstützung durch Partner endlich. Wir müssen uns also die Frage stellen, ob es nötig ist, ein neues Finanzierungskonzept zu erarbeiten.

 

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