Wagenplatz Satower Straße : Wir campen nicht, wir wohnen hier

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Die Bewohner der Bauwagensiedlung in der Satower Straße müssen ihr Gelände räumen. Neuer Favorit ist ein Standort An der Jägerbäk.

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06. März 2015, 12:00 Uhr

Jetzt im Winter geht es für die Bewohner des Wagenplatzes in der Satower Straße gleich nach dem Aufstehen raus zum Holzhacken. Ihre Öfen brauchen Nachschub. Auch wenn das manchmal hart sei – in einer festen Mietwohnung zu leben, das können sich Tini, Christoph, Lisa und die anderen nicht mehr vorstellen. Sie haben die Gemeinschaft und den Freiraum zur Selbstverwirklichung zu sehr zu schätzen gelernt, sagen sie.

Doch was bereits vor mehreren Jahren begann, ist nun in Gefahr: Die Bauwagen müssen das Gelände räumen. Entfernte Nachbarn haben sich beschwert. Nicht bei den Bewohnern, sondern direkt bei der Verwaltung. Im Bebauungsplan ist das Gelände als Außenbereich gekennzeichnet, der die Nutzung stark einschränkt. Langfristig soll es zum Wohngebiet umfunktioniert werden.

Zusammen mit der Verwaltung suchen die Bewohner nun einen alternativen Standort. Einen Favoriten gibt es bereits, den ehemaligen Sportplatz An der Jägerbäk. „Wir würden gerne so schnell wie möglich umziehen“, sagt Tini. Allein schon für die eigene Planungssicherheit: Lohnt es sich noch, einen großen Holzvorrat anzulegen? Macht der Aufbau einer Terrasse für den Sommer Sinn?

Das nächste Treffen mit dem Stadtplanungsamt ist für Dienstag angesetzt. „Wir prüfen mit Nachdruck und versuchen, schnellstmöglich einen neuen Standort zu finden“, sagt Amtsleiter Ralph Müller. Die Stadt bekennt sich zu der alternativen Wohnform, stellt in einer Informationsvorlage für die Bürgerschaft aber zugleich klar: „Aufgrund der besonderen Typik der Bauwagensiedlungen und deren diffuser baurechtlicher Stellung braucht es neben den planerischen Überlegungen eine besonders hohe Akzeptanz aller Beteiligten.“ Zudem müsse eine Anbindung an die Strom- und Wasserversorgung gewährleistet sein, so Müller. „Es ist ein besonderes Vorhaben, das man nicht an jeder x-beliebigen Stelle machen kann.“ Das bestätigen die Bewohner. Sie sagen: „Wir campen nicht, wir wohnen hier.“

Bis Ende Juni soll der neue Standort gefunden sein. Anschließend müssen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen und die Öffentlichkeit beteiligt werden. „Vor 2016 haben wir definitiv kein Baurecht“, sagt Müller. Bis dahin haben Stadt und der derzeitige private Vermieter ihre Duldung zugesagt. Die Bewohner haben mittlerweile den Verein Wie Was Wagen gegründet. Über diesen wollen sie das neue Gelände pachten und sich so ihre Unabhängigkeit bewahren. Das Geld dafür verdienen sie sich beispielsweise als Tischler oder Verkäufer.

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