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Lütten Klein : Winkeltreff: Rettung in letzter Minute

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Lütten Kleiner bangen um ihren Sozialtreff in der Ahlbecker Straße – und wollen notfalls auf der Straße essen

Eine warme Mahlzeit und etwas Gesellschaft mit Gleichgesinnten: Für alleinstehende Rentner in Lütten Klein ist das nicht selbstverständlich. Im Winkeltreff in der Ahlbecker Straße haben sie sich täglich zum Mittagstisch getroffen. Gestern kam dann der Schock für die Besucher. Ab sofort sollten die Räume des Sozialtreffs dicht sein. Der Grund: Treffleiter Norbert Mazik wurde zum 31. Dezember 2013 gekündigt. Auf die Essensausgabe wollte er jedoch nicht verzichten. „Ich kann die Menschen hier doch nicht allein lassen“, sagt er. Auf der Straße wollte er ihnen notgedrungen das vom Dierkower Verein Wohltat angelieferte Mittagsmahl in die mitgebrachten Plastikdosen umfüllen.

Erst in letzter Minute hatte der Träger des Winkeltreffs, die Geschäftsführung der Hanseatischen Weiterbildungs- und Beschäftigungsgemeinschaft Rostock, (HWBR) ein Einsehen. Kurz vor der Mittags-Ausgabe kam die Erlösung für Norbert Mazik: die Vertragsverlängerung. Vorerst bis zum 30. April wurde sein Beschäftigungsverhältnis bei der HWBR verlängert.


Ein harter Schlag für langjährige Besucher


Für die bis zu 30 Stammbesucher war diese Nachricht die letzte Rettung. Damit gestern noch alle Gäste ihr Mittagsmahl bekommen konnten, flog die Eingangstür nur so auf und das Essen, Kartoffelpüree mit Rührei, wurde im Saal ausgeteilt.

Die langjährige Besucherin Hildegard Rahtkens hatte fast der Schlag getroffen, als sie von der bevorstehenden, kurzfristigen Schließung erfuhr. Auch die 72-jährige Monika Koch, die mit ihrer Tochter Annett (38) seit Jahren den Winkeltreff besucht, konnte es nicht fassen. „Wir haben unsere eigenen Kellen und Plastikdosen mitgebracht, damit wir nicht in der Kälte essen müssen“, sagt Monika Koch. Zum Glück blieb ihr und allen anderen Treff-Gästen die Demütigung erspart.

Erst nach Weihnachten rückte Norbert Mazik in gemeinschaftlicher Runde mit der Hiobsbotschaft heraus. Die Kündigung hatte er am 20. Dezember bekommen – viel zu spät. „Die Kündigungsfrist wurde nicht eingehalten und der Betriebsrat nicht informiert“, sagt der Leiter des Winkeltreffs. Von der HWBR selbst hatte er bis zum gestrigen Tag nichts gehört. „Deswegen habe ich mich bereits arbeitslos gemeldet“, sagt Norbert Mazik. Er fühlt sich von seinem Arbeitgeber allein gelassen. Schließlich steht neben der Versorgung der bedürftigen Lütten Kleiner auch die Beschäftigung von sechs Ein-Euro-Jobbern auf dem Spiel. Sie sind für die Essensausgabe und Tagesgestaltung im Sozialtreff verantwortlich. Für Nachfragen war HWBR-Geschäftsführer Peter L. Pedersen gestern nicht zu erreichen.

Vorerst bis Ende April ist der Winkeltreff weiterhin geöffnet. Ob es nach dem Vertragsende weitergeht, kann Norbert Mazik nur vermuten: „Es sieht schlecht aus. Die Wolken werden immer dunkler.“ Er hofft, dass es bis dahin eine dauerhafte Lösung gibt, damit die Lütten Kleiner weiterhin kostengünstig zu Mittag essen können. Für Hildegard Rathkens ist der Winkeltreff nicht nur eine Essensausgabe. „Es ist ein Wohlfühlraum zum Kaffeetrinken und Kartenspielen“, sagt sie. Seit dem 1. Dezember 2000 ist der zum Teil durch Spenden geförderte Winkeltreff für sozial benachteiligte Menschen geöffnet.

 

 

 

 

 

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erstellt am 03.Jan.2014 | 10:00 Uhr

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