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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. Oktober 2017 | 03:04 Uhr

Zuschuss gestrichen : Winkeltreff ist am Ende

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Tafel muss bald Lütten Kleiner Essenausgabe schließen. Nur noch ein neuer Träger kann die soziale Einrichtung retten.

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Ein trauriges Ende: Der Winkeltreff steht nun endgültig vor dem Aus. Am 30. April schließt der Sozialtreff in der Ahlbecker Straße seine Türen. Auch die darin stationierte Rostocker Tafel muss dann ihre Essenausgabe einstellen. Da der Träger, die Hanseatische Weiterbildungs- und Beschäftigungsgemeinschaft Rostock GmbH (HWBR), ihren sozialen Beschäftigungsbereich aus Kostengründen abschafft, haben die Lütten Kleiner das Nachsehen. „Die Projekte werden nicht mehr ausreichend gefördert. Dadurch können wir uns das nicht mehr leisten“, sagt Peter L. Pedersen, Geschäftsführer der HWBR. Nur ein Trägerwechsel könnte den Sozialtreff und die Tafel noch am Leben erhalten. „Wir tun alles dafür, einen neuen Träger zu finden“, sagt der Geschäftsführer. Das ist ein kleines Fünkchen Hoffnung für Jutta Haschke. Die gute Seele des Winkeltreffs – wie sie von vielen bezeichnet wird – ist schon von Anfang an dabei. „Früher habe ich ehrenamtlich hier gearbeitet und seit Kurzem einen Ein-Euro-Job“, sagt die Rostockerin. Es war ihre Chance, der Langzeitarbeitslosigkeit zu entkommen. Doch mit der Schließung wäre dieser Traum nichts weiter als eine zerplatzte Seifenblase – und Jutta Hanschke erneut ohne Job.

In ganz Lütten Klein ist die Empörung groß. „Es trifft mal wieder die Schwächsten“, sagt die Ortsbeiratsvorsitzende Gabi Bolz (Linke). Sie ist schockiert, dass die bedürftigen Bewohner des Stadtteils einen wichtigen Anlaufpunkt verlieren. „Für viele Leute ist der Winkeltreff ihr zweites Zuhause. Dort treffen sie sich, um ihre Probleme zu besprechen“, sagt Gabi Bolz. Allerdings versteht sie nicht, warum sich die Angestellten des Winkeltreffs bisher nicht an den Ortsbeirat gewendet haben. „Wir haben eigentlich einen guten Draht zueinander“, sagt sie.

Für Ilse Ackermann wäre die Schließung des Winkeltreffs in der Ahlbecker Straße ein echtes Drama. „Es geht uns ja nicht allein um ein günstiges Essen. Viele sind allein, so wie ich. Die nutzen die Einrichtung als Treffpunkt“, erklärt die 70-jährige Rostockerin. Mit einer sehr schmalen Rente ist sie auf die Grundsicherung angewiesen. „Es bleibt am Ende immer mehr Monat als Geld übrig“, scherzt sie. Aber eigentlich ist Ilse Ackermann nicht nach Scherzen zumute. Es ist vielmehr Galgenhumor: „Wenn die Tafel und der Winkeltreff schließen, dann sind wir wieder auf uns allein gestellt. Dann sitzt jeder einsam in seiner Wohnung und mit dem warmen Mittagessen ist es dann vorbei“, sagt sie traurig. Denn die Einrichtung sei für viele auch eine Begegnungsstätte. „Man darf uns nicht einfach aufs Abstellgleis stellen und das letzte bisschen Freude nehmen“, hofft die Rentnerin auf eine Rettung der Sozialeinrichtungen.

Jürgen Wegner, Vereinsvorsitzender der Rostocker Tafel, hofft, dass bald ein neuer Träger gefunden wird. Das wäre die einzige Möglichkeit, dass der soziale Verein weiter in dem Gebäude Essen ausgeben kann. „Wir wollen gerne bleiben, sehen momentan aber keine Alternative, wo wir sonst hin könnten“, sagt Jürgen Wegner. Sollte das Haus Ende April schließen, müssten rund 300 Menschen aus Lütten Klein und Evershagen ohne die dringend benötigte Lebensmittelversorgung auskommen. „Aufgeteilt in vier Gruppen kommen sie einmal die Woche zu uns“, so der Vereinsvorsitzende. Er sucht schon seit Längerem einen zusätzlichen Standort in Evershagen. Bisher jedoch ohne Erfolg. Darauf, dass er wahrscheinlich bald auch auf die Lütten Kleiner Ausgabe verzichten muss, war er nicht gefasst. Bereits zum Jahresanfang hatten die Angestellten des sozialen Treffs eine bittere Pille zu schlucken. Kurzzeitig musste der Winkeltreff dichtmachen und das Frühstück ausfallen lassen, da der Arbeitsvertrag des Winkeltreff-Leiters Norbert Mazik nicht verlängert wurde. Erst zum Mittag kam die Erlösung. Norbert Mazik und seine Angestellten erhielten die Verlängerung bis zum 30. April. Ob die HWBR bis dahin einen neuen Träger finden wird, ist fraglich.

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